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Wie ein Landkreis in der zweiten Welle (im Süden Deutschlands) während der Pandemie handelt.

Als typisches Beispiel für die Situation kleinerer Krankenhäuser im Dezember 2020


Dem örtlichen Gesundheitsamt sind derzeit 496 (+83 in den letzten 24 Stdn.) infizierte Personen bekannt, die mit dem Coronavirus C19 infiziert sind. Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis liegt nun im Durchschnitt bei 297,3 auf 100 Tsd. Einw. umgerechnet. Die Zahl der im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung verstorbenen Kreisbewohner lag unverändert in der Summe seit Pandemie-Beginn bei 49. Der insgesamt eher ländlich strukturierte Landkreis hat ca. 150.000 BewohnerInnen. Es gibt 2 Kreiskrankenhäuser (zus. 400 Planbetten der Grundversorgung mit einer Schlaganfall/Stroke-Einheit und einer Geriatrischen Rehabilitation) und ca. 15 Altenpflegeheime. Die nächsten Kliniken der Maximalversorgung befinden sich in drei Nachbarkreisen (in ca. 50-80 km).

Aufgrund der steigenden Sieben-Tage-Inzidenz in dem Landkreis und der daraus resultierenden weiteren Aufnahme von Patientinnen und Patienten mit positivem Covid-19-Befund oder einem entsprechenden Verdacht schaffen die beiden zusammengehörenden Kreiskrankenhäuser zwei zusätzliche neue Isolierstationen.

Konkret wurde am Mittwoch, 16. Dez. am Standort B eine dritte Isolierstation in Betrieb genommen. Am Standort G wird ebenfalls die Einrichtung einer dritten Isolierstation vorbereitet. Diese soll schnellstmöglich in Betrieb genommen werden. Möglich ist dies nur, da der OP-Betrieb noch in dieser Woche so weit wie möglich heruntergefahren wird. Das freiwerdende Personal wird dann zur Unterstützung auf den Intensiv- und Isolierstationen eingesetzt. 

Archivbild eines vergleichbaren Hauses

Aktuell werden im Landkreis insgesamt rund 60 C19-Patienten und -Verdachtsfälle behandelt, die Zahl der Isolierplätze muss von 50 auf insgesamt 77 erhöht werden. Am Standort B werden dann statt 22 dann 33 Isolierbetten zur Verfügung stehen, am Standort G 44 statt bisher 30 Betten. 


"Wir haben so lange wie möglich versucht, den regulären OP-Betrieb aufrechtzuerhalten. Aber nun operieren wir nur noch dringende Notfälle. Covid-19 hat beim Personaleinsatz höchste Priorität", betont der ärztliche Leiter, Dr. med. H. Maier. Er appelliert zusammen mit dem Kliniken-Geschäftsführer F. Mohn* an die Bevölkerung, insbesondere gegenüber älteren und vorerkrankten Menschen und bei Besuchen in Gemeinschaftseinrichtungen, die Verhaltensregeln am besten noch strenger als vorgeschrieben einzuhalten.

"Die Situation ist für unser engagiertes Personal sehr belastend, deshalb hoffen wir, dass der Lockdown bald Wirkung zeigt", so Maier und Mohn*. 


Auf den nun insgesamt sechs Isolierstationen wird jeweils unter schärfsten Hygieneregeln und mit einem großen Einsatz von persönlicher Schutzausrüstung gearbeitet. "Das ist nicht nur körperlich sehr anstrengend, sondern auch finanziell aufwendig", betont Mohn in diesem Zusammenhang.


Intensivstationen

Am Standort B werden von den Positivfällen drei und ein Verdachtsfall auf der Intensivstation behandelt. Beatmet werden dort ein positiv getesteter Patient sowie der Verdachtsfall. 

Aktuell gibt es am Standort G keinen Corona-Fall auf der Intensivstation, es sind aber dennoch ein Beatmungsplatz sowie ein Intermediate-Care-Bett (IMC) belegt. Somit sind dort notfalls zwei Beatmungsplätze und zwei IMC-Betten verfügbar. 


Ausstattung

Insofern sei die Finanzhilfe des Landes in Höhe von 1,4 Millionen Euro zur rechten Zeit gekommen. "Dieses Geld ist sozusagen schon ausgegeben. Es dient als nachträglicher Ausgleich eines Teils der pandemiebedingten Mehraufwendungen der letzten Monate", erklärt der Geschäftsführer. Glücklicherweise seien aufgrund einer vorausschauenden Beschaffungsstrategie der Kliniken derzeit ausreichend Schutzausrüstungen vorhanden.


Allgemeine Hinweise: Sowohl der ärztliche Leiter wie auch der Geschäftsführer weisen auch noch einmal darauf hin, dass die Kliniken wirklich nur bei Notfällen aufgesucht werden sollen. Bei anderen Erkrankungen, die keiner Notfallbehandlung bedürfen, ist zunächst der Hausarzt und außerhalb der Öffnungszeiten der Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung, erreichbar unter der Telefonnummer 116 117, zuständig. Dies gilt auch für Covid-19-Erkrankungen mit leichteren Verläufen, die nach telefonischer Absprache durch die Hausärzte und die Fieberambulanz der Kassenärztlichen Vereinigung behandelt werden. ( * Die Namen sind geändert. )

Es gelten klare Besuchsregelungen (weitgehende Einschränkungen)

Es gibt im Kreis kostenlose freiwillige Tests vor Weihnachten für maximal 600 Personen (neben den Pflichttests durch das Gesundheitsamt).

Später

Juli 2021: Der Kreis sträubt sich weiter beharrlich gegen den bundesweiten Trend der ansteigenden Infektionszahlen: Den vierten Tag in Folge wurden am Mittwoch keine neuen Coronafälle gemeldet.

Die Sieben-Tage-Inzidenz sank auf einen neuen Jahrestiefststand von 0,7. Damit ist der Landkreis wieder das erfreuliche "Schlusslicht" aller Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs.

Nachweislich akut mit dem Coronavirus infiziert sind aktuell nur noch drei der gut 144.000 Kreisbürger. (Update: Mittwoch, 21. Juli 2021, rnz)


Am Donnerstag, 9. Dez 21, ist im Landkreis erstmals die Corona-Variante Omikron nachgewiesen worden. Wie das Landratsamt mitteilte, wurde sie im Rahmen der Routineuntersuchung eines bereits erfolgten PCR-Tests festgestellt. "Die betroffene Person ist kein Reiserückkehrer und befindet sich in Quarantäne.


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Großer C19-Ausbruch in einem Pflegeheim für alte Menschen

… verändert die gesamte Lage in dem Landkreis innerhalb von 48 Stunden.


Zunächst: Am Dienstag gab es 69 bekannt gewordene Neuinfektionen. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf 376. Folgenden Gemeinschaftseinrichtungen sind betroffen: Die meisten Fälle (29) gibt es im Seniorenheim Fb. Im Pflegeheim Wh gib es vier Fälle, im Geriatriezentrum Wa einen und in einem Seniorenzentrum in Bu ebenfalls einen.

Im Laufe des Tages heißt es dann ……

Am 8. Dezember wurden die ersten Personen im Pflegezentrum La positiv auf Corona getestet, rund zwei Wochen später sind die Zahlen stark angestiegen. 106 Menschen haben sich mittlerweile infiziert, 85 davon sind BewohnerInnen der Einrichtung, in der insgesamt 120 Personen leben. Für den kleinen Ort, in dem das Zentrum der größte Arbeitgeber ist, sind allerdings die infizierten Beschäftigten zunächst ein Problem, denn die könnten den Virus in der Gemeinde bereits vor der Testung verbreitet haben.

Geäußerte Kritik (von der HL)

Kleinteilige und teilweise konkurrierende Zuständigkeiten, „Empfehlungen“ seitens Behörden, welche im Tagesgeschäft völlig unbrauchbar sind und lediglich dazu nützen, die Verantwortung an die Heime abzuwälzen. Hinzu kommt, dass es keine zentrale Kontaktstelle gibt, sodass man die notwendigen Informationen oder Kontakte mühsamst recherchieren muss. Teilweise bekommen wir Antworten auf wirklich drängende Fragen erst mit mehreren Tagen Verzögerung. Wichtige Anweisungen von den Ämtern werden nur am Telefon kommuniziert. Wenn man eine schriftliche Bestätigung einfordert, erhält man diese nicht – man will sich wohl schadlos halten. Stattdessen Bürokratie-Wahnsinn und Auflagen ohne Ende. Wir brauchen im Moment schnelles, stringentes Handeln und vor allem Personal. Jede Hand zählt. Stattdessen sind wir mit einem Berg an bürokratischen Vorschriften konfrontiert. Das allgemeine Krisenmanagement kann man aus unserer Sicht nur mit „ungenügend“ benoten.
Es kam mehrfach vor, dass Bewohner positiv von einem Krankenhausaufenthalt zurückkamen.

Zum Jahresende 2020

Die Aussichten? Und was passiert, wenn die Ärzte aus dem Kreis ihre Patienten nicht mehr in größere Häuser verlegen können? „Das ist eine spannende Frage“, sagt Schellmann. Er rechnet nicht damit, dass es so weit kommt. Aber wenn, „dann kommen wir in Bergamo-Verhältnisse“. Es habe lange gedauert, bis sich die Strukturen in Deutschland geöffnet, geweitet hätten. „Aber, die Ressourcen werden wir haben.“ Wenn’s chaotisch werde, müsse man improvisieren. Das sei deutschlandweit so. 

Etwas Positives gibt es auch: Eine 30-jährige Frau musste wegen Covid-19 über zehn Tage beatmet werden. Sie spricht kein Deutsch, beim Aufwachen hat sie niemanden verstanden. Sie war dort allein. „Das müssen Sie sich wirklich vorstellen: Sie schlafen zehn Tage, wachen auf – und es gibt niemanden, mit dem Sie sich verständigen können.“ Wie der Arzt das so eindringlich erzählt, löst das eine Gänsehaut aus. Jetzt kommt der Lichtblick, auch der sorgt für Gänsehaut: „Die Frau hat sich danach schnell erholt. Die war so jung, dadurch hatte sie noch genug Kraft. Das habe ich so noch nicht gesehen.“ Am Montag (29.12.) durfte sie das Krankenhaus verlassen, zurück zu ihren zwei Kindern. 


2021

Am Sonntag 3. 1. 21 lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 173,4 Inf. je 100.000.


  • 31. Jan: Baden-Württembergs Landesgesundheitsamt meldet heute (Stand: 16 Uhr) 530 weitere bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus (gesamt: 293.576). Sonntag vor einer Woche waren es noch 733 Neuinfektionen. 24 weitere Menschen sind im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung gestorben (insgesamt: 7.052). Gestern waren es genauso viele neue Todesfälle. Die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz stieg minimal und liegt jetzt bei 74,0 Fällen pro 100.000 Einwohner in einer Woche (gestern: 73,9). Landesweit sind 425 Covid-19-Patientinnen und -Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, 238 davon werden invasiv beatmet.
    • Seit dem ersten Nachweis einer mutierten Virusvariante in Baden-Württemberg am 24. Dezember 2020 sind bis heute 266 Fälle (gestern: 142) aus 32 Stadt- und Landkreisen (gestern: 26) übermittelt worden.
    • swr aktuell dazu
  • 10. März: Nach einigen Tagen unter dem Inz.wert 50 ist die Zahl der neuen Covid-10-Infektions-Fälle im Kreis auf 86 gestiegen. Am Mittwoch hat das Landratsamt 17 neue Infektionen bestätigt. Die Sieben-Tage-Inzidenz umgerechnet auf 100.000 E. ist auf 50,8 gestiegen.


Und wie ging es weiter?

Es ist zu erwarten, dass der Andrang auf die Impf-Termine auch weiterhin anhalten wird – besonders, solange auch die Hausärzte noch nicht die Mengen bekommen, die sie eigentlich brauchen würden.

Es hat für das Land höchste Priorität, dass jeder dann auch seine Zweitimpfung erhält.

Die Landesregierung hat eine Verlängerung der Impfzentren bis 15. August schon beschlossen.


……


wird weiter aktualisiert werden.



Nachtrag Dez. 2021

170 Menschen sind im xy-Kreis am Coronavirus gestorben. Einer von ihnen war xnnr.


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