PflegeABC Wiki
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Allgemeines

Die Dekubitusprophylaxe ist der Oberbegriff für verschiedene pflegerische Maßnahmen gegen die Entstehung eines Liegegeschwürs, eines Dekubitus. Im Kern sollen die Hauptpartieen, auf denen jemand liegt immer wieder entlastet werden. Die Krankenbeobachtung der gesamten Haut bei der täglichen Hygiene ist ein gutes Frühwarnsystem. Ein anderes sind sind die Dekubitusrisikoskalen, mit denen nach den verschiedenen möglichen Ursachen bei der jeweiligen Person konkret gefragt wird, um dann Maßnahmen gegen die Entstehung eines Liegegeschwürs zu empfehlen.

Reihenfolge der Maßnahmen, Schritte d. Pflege

  1. Einschätzen der Dekubitusgefährdung, Assessment
  2. Informieren und Zustimmung gewinnen (auch der Angehörigen)
  3. Mobilisieren, soweit möglich
  4. Lagerungsarten bzw. Positionieren
  5. Hilfsmitteleinsatz
  6. Reibungs- und Scherkräfte vermeiden
  7. ständige Hautfeuchtigkeit vermeiden

Ergänzende Maßnahmen:

  • geeignete Hautpflege durchführen
  • Flüssigkeitszufuhr anpassen
  • Ernährung optimieren (ergänzen)
  • Tages-, bzw. Lagerungsplan, eine langfristige Pflegeplanung erstellen bzw. ergänzen

Mobilisation

Sofern es den PatientInnen möglich und zumutbar ist, sollten diese regelmäßig mobilisiert/zur selbstständigen Mobilisation (das Aufstehen, die Bewegung, der Lagewechsel) motiviert werden.

Ein in der Pflege bekanntes Sprichwort sagt, dass auf einen bestehenden Deku alles drauf darf nur nicht der Patient. Damit ist gemeint, dass die verschiedenen Maßnahmen gegen das Liegegeschwür alle releativ gleich (wenig oder viel) wirken, solange nicht das Gewicht des Patienten genommen wird, das die Durchblutung der darunter liegenden Haut verhindert.

Wer dieses Sprichwort umdreht und auf die Entstehung eines Deku anwendet, wird auch immer wieder auf das Kernprinzip der Mobilisation stoßen. 

...


Lagerungen, Lagerungsplan

Durch die abwechselnde Lagerung sollen bestimmte gefährdete Körperregionen vom Druck (des eigenen Körpergewichts auf die feinen Blutgefäße in der Haut) entlastet werden. Am besten geeignet ist dazu das Umlagern des Patienten. Wenn dies aus bestimmten Gründen nicht möglich ist, werden andere Methoden, auch druckverteilende Hilfsmittel, eingesetzt.



Es werden seit den 1960er Jahren drei Arten druckentlastender und -reduzierende Lagerungsprinzipien unterschieden:

  1. Freilagern
  2. Weichlagern
  3. Umlagern ( bzw. Wechsellagerung )

Die Mikrolagerung oder -bewegung ist eine Variante des Umlagerns. Sie wird ergänzend zu diesen Lagerungsmethoden eingesetzt bzw. dann als alleinige Maßnahme bei gefährdeten Patienten, die die anderen Methoden nicht (mehr) tolerieren (z. B. Sterbende).

In der professionellen Pflege wird dazu ein Lagerungsplan erstellt. Er ist innerhalb der individuellen Pflegeplanung Teil der Pflegedokumentation (Pat.akte, mit allen Konsequenzen für die Planung: Aufbewahrungspflicht, Lesbarkeit, evtl. Aktualisierungen, Namenskürzel).

Als Anfangsrhythmus haben sich zunächst Lagewechsel nach 2 Stunden bewährt, diese übliche Empfehlung muss aber auf die individuellen Erfordernisse abgestimmt werden; die Krankenbeobachtung der Haut kann einen häufigeren oder einen selteneren Wechsel begründen.

Das Freilagern

Bei der Frei- oder auch Hohllagerung wird der gefährdete Bereich vollständig druckentlastet, indem die Umgebung auf Kissen von der Liegefläche ferngehalten wird. Sie wird zumeist als Kissenlagerung durchgeführt, dabei befinden sich die Lagerungskissen ober- und unterhalb der gefährdeten Stellen (z.B. Fersen oder Kreuzbein). Spezialkissen haben an der gefährdeten Stelle eine Öffnung (Beispiele: Waffelkissen). Ein dauerhafter Einsatz solcher Spezial-Kissen kann aber zur Minderdurchblutung und damit zur Schädigung des umliegenden Gewebes führen, weil sie die eigene Beweglichkeit für die betroffene Person erschweren können.

Weichlagern

Bei der Weichlagerung wird die Auflagefläche vergrößert. Somit wird die Druckbelastung auf eine größere Fläche "verteilt" und damit am einzelnen Punkt verringert.

Ein Nachteil der Weichlagerung kann der Verlust des Körpergefühls für die Betroffenen sein. Auch hier wird ein selbstständiges Aufstehen erschwert.

  • Die Lagerung auf einer Wechseldruckmatratze gewährleistet die regelmäßige abwechselnde Druckverteilung auf alle Körperregionen, die direkt auf der Matratze liegen. Im Kern ist ihre Wirkung eher mit dem Umlagern vergleichbar:

Das Umlagern

Die Veränderung der Lage des Patienten soll nach Lagerungsplan zu bestimmten Zeiten durchgeführt werden. z. Bspl. alle 2 Stunden im Wechsel: li. Seite, re. Seite, Rückenlage, Heraussetzen und zurück, li. Seite, re. Seite, Rückenlage ... usw. Dabei werden jeweils bestimmte Körperregionen entlastet, andere dafür umso stärker belastet.


Nach dem Expertenstandard Dekubitusprophylaxe ist ein solcher genereller Plan für sich genommen nicht mehr ausreichend, es muss stattdessen ein individueller Bewegungsplan erstellt werden.

Für die intermittierende Lagerung werden oft folgende Lagewechsel / Um- Lagerungen eingesetzt:

  • rechte Seitenlage 30%, unterstützt mit Hilfsmitteln (keine Muskelverspannung)
  • Rückenlage in einer funktionellen Mittelstellung
  • linke Seitenlage 30%
  • kurzzeitig die stabile Seitenlage
  • Bauchlage (wenn möglich und akzeptiert; auf Bewegungsmöglichkeit des Kopfes achten)
  • Sitzen (wenn möglich, insbesondere zu den Mahlzeiten!, evtl. verkürzter Rhythmus)
  • usw.

Medien

Weblinks


Bücher, Fachzeitschriften

  • Christel Bienstein, G. Schröder, M. Braun (alle als Hrsg.): "Dekubitus – Die Herausforderung für Pflegende." Thieme-Verlag, 1997. ISBN 3-13-101951-4
  • C. Pfrommer u.a: "Mit heiler Haut davonkommen - Dekubitusprophylaxe in der Pflege". In: Unterrichtsmaterialien für die Pflege. Raabe Verlag. Berlin, 2011. Autorinnen, Verlag
  • Expertenstandard. 86 Seiten. Verlag: Hochschule Osnabrück; Auflage: DIN A (2017). ISBN 978-3000090332

Siehe auch unter

(wegen der Wechselwirkungen)

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