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Der (ehemalige) Krankenpfleger N. Högel ist inzwischen wegen mehrerer Morde und Mordversuche rechtskräftig verurteilt und verbüßt eine lebenslange Haftstrafe. Derzeit (2018/19) wird ein dritter Prozess gegen ihn durchgeführt, in dem es um weitere 97 Taten geht. Die Rechtskraft des Urteils in dem neuen Verfahren steht noch aus.

Högel wurde darin am 6. Juni 2019 in 85 weiteren Fällen des Mordes schuldig gesprochen vom Landgericht Oldenburg und zu lebenslanger Haft verurteilt.[1] Zugleich stellte das Landgericht auch in diesem Verfahren die besondere Schwere der Schuld fest. Mit dem Urteil endet der bislang größte Mordprozess in der Geschichte der Bundesrepublik.[2][3]Gutachter Henning Saß hat Ende April gesagt, Högel fehle es an Scham, Schuld, Reue und Empathie.

Insgesamt leiteten die Staatsanwaltschaften und Gerichte in 332 Fällen Ermittlungsverfahren wegen Mordverdachts ein.


… und kein Ende - denn Verfahren gegen die zur Aufsicht verpflichteten Personen stehen noch aus.


aktuell:

  •  Zwischenbilanz (spiegel.de, Wiebke Ramm, vom 19.4.2019) und knapp: Urteil vom Landgericht Oldenburg, Juni 2019 - relativ kurzer Artikel
  • Karsten Krogmann und Daniel Müller: Fast 100 Tote, und keiner hat etwas bemerkt?  Die Zeit vom 11. Dezember 2019, Bezahlartikel ! ) Käme es zu einem Prozess mit diesen Anklagepunkten wäre das etwas Neues. Bisher wurde  nicht ein einziges Mal strafrechtlich gegen einen Vorgesetzten der/des Täters, -in vorgegangen. Mit dieser Anklage würde juristisches Neuland betreten.


Nov. 2018

Die Mordserie des ehemaligen Krankenpflegers Niels Högel wirft Fragen auf: Warum werden Helfer zu Mördern? Und wieso bleiben die Taten teils Jahre unentdeckt? Ein Psychiater gibt Antworten. © SPIEGEL Ein Interview mit K. H. Beine von Birte Bredow

aktuell im August 2017 hieß es: Der als Mörder verurteilte Niels H. soll 84 weitere Menschen umgebracht haben. Das gaben Ermittler in Oldenburg bekannt. Der heute 40jährige ehemalige Krankenpfleger musste sich 2008 und 2014 vor Gericht bereits für sechs Taten auf der Delmenhorster Intensivstation verantworten und sitzt derzeit in Haft. Wann folgt die nächste Gerichtsverhandlung?


Der Krankenpfleger N. H. steht 2014 wegen fünffachen Mordes unter Anklage vor dem Landgericht Oldenburg. Er soll sie an seinem Arbeitsplatz im Klinikum Delmenhorst (bei Bremen) vor 2006 begangen haben. Von März 2003 bis Juni 2005 arbeitete der Mann auf der Intensivstation in Delmenhorst und in dieser Zeit häuften sich die Sterbefälle von sonst durchschnittlich etwa 80 auf 200 Tote.

Der Angeklagte war 2008 vom Landgericht Oldenburg bereits zu einer Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren wegen versuchten Mordes verurteilt worden. Er hatte einem Patienten eine Überdosis des Herz-Medikaments Gilurytmal verabreicht, der Mann entging nur knapp dem Tod.

Aufgrund von Äußerungen gegenüber Mitgefangenen im Gefängnis, er sei der größte Serienmörder der Geschichte in der BRD und "habe nach 50 Fällen aufgehört zu zählen", wird nun die Todesursache dort geprüft, wo der Angeklagte zum Zeitpunkt des Todes oder unmittelbar zuvor Dienst hatte und bei denen die Verstorbenen anschließend nicht feuerbestattet wurden. Evtl. müssen Leichen obduziert werden und nach dem von ihm verwendeten Medikament gesucht werden. Der darin enthaltene Wirkstoff Ajmalin löst schwere Herzrhythmusstörungen bis hin zum Kammerflimmern und massiven Kreislaufproblemen aus. Als Motiv nimmt die Staatsanwaltschaft an, dass der Pfleger medizinische Notfälle herbeigeführt habe, um dann seine Fähigkeiten zur Wiederbelebung unter Beweis zu stellen.

Dabei könnte es auch bereits um Patienten im Krankenhaus Oldenburg gehen. Dort hatte der Angeklagte von 1999 bis 2002 gearbeitet, bevor er nach Delmenhorst wechselte. Manche Patienten vergiftete er auch mehrmals. Einmal hätten während einer Nachtschicht von Niels H. fünf Patienten 14 mal reanimiert werden müssen, sagte 2017 der Soko-Leiter Arne Schmidt. Die Vorgesetzten ahnten damals nicht nur, dass etwas nicht stimmte. Es gab nach Angaben der Ermittler auch konkrete Beweise: Laut einer Klinik-Statistik stiegen im Jahr 2001 die Sterbefälle auf der Intensivstation um 58 Prozent, als der Pfleger im Dienst war. Wieso das Klinikum nicht die Polizei informiert hat, können die Ermittler nicht nachvollziehen. Stattdessen wechselte Niels H. 2003 mit einem guten Arbeitszeugnis nach Delmenhorst.

"Während der Beweisaufnahme haben sich wiederholt Hinweise darauf ergeben, dass der Angeklagte für den Tod weiterer Menschen verantwortlich sein könnte", heißt es inzwischen von der Staatsanwaltschaft. Dagegen steht ein massiver Vorwurf von der Nebenkläger-Seite (das sind in der Regel Angehörige von Opfern): „Die Hinweise sind seit 2005 bekannt. Bisher gab es nur einen neun Jahre dauernden Ermittlungsboykott.“


Zur Vorgeschichte des Gerichtsfalles gehört leider ein weiterer Aspekt: In seiner Freizeit war der Angeklagte sehr häufig als Rettungssanitäter im Einsatz.


K. H. Beine zur Frage, warum KollegInnen nicht früher ragierten:

Viele pflegerische und ärztliche Kollegen waren misstrauisch und berichten im Nachhinein, sie hätten ein „ungutes Gefühl" gehabt, wenn Niels H. Dienst hatte. Warum ist trotzdem nichts passiert?
Das ist eine der schwierigsten Fragen überhaupt. Die Tat ist nicht aufgefallen, weil es unterschiedliche Aufdeckungsbarrieren gibt, innere und äußere. Versuchen Sie sich in die Lage einer Pflegenden hineinzuversetzen, die ihren Kollegen oder ihre Kollegin beobachtet und Auffälligkeiten entdeckt. Wie lange brauchen Sie, um den Gedanken zu fassen, dass es sich um Patiententötungen handelt?


Prozessverlauf

Die Serie von Patientenmorden ist wahrscheinlich umfangreicher als bisher angenommen. Bei der Einvernahme des Persönlichkeits-Gutachters kam am 8.1.15 zur Sprache, dass der Krankenpfleger die Tötung von 30 Patienten einräumte, denen er eine tödliche Spritze gesetzt habe. 60 weitere Personen hätten solche Spritzen, insbesondere durch seine Reanimationsversuche, überlebt. Noch ist nicht klar, welche Konsequenzen diese Mitteilung für das Verfahren haben wird.

Das betrifft auch die von der Sonderkommission der Polizei für Anfang 2015 geplanten zahlreichen Obduktionen von Leichen.

Seit nun drei Jahren versucht eine Sonderkommission (Soko) der Polizei, die Taten aufzuklären. Hunderte Patientenakten wurden ausgewertet, mehr als 130 Leichen ausgegraben und auf Rückstände von todbringenden Medikamenten untersucht. Was die Ermittler dabei herausfanden, bringt selbst die erfahrenen Profis an den Rand der Sprachlosigkeit. Die Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass Niels H. erstmals im Februar 2000 einen Patienten am Klinikum Oldenburg ermordete.

Daten, bisherige Verfahrensdaten

> 1999-2002: Niels H. arbeitet im Klinikum Oldenburg.

> Feb. 2000 Die Ermittler gehen davon aus, dass Niels H. erstmals im Februar 2000 einen Patienten am Klinikum Oldenburg ermordete.

> 2003-2005: Der Pfleger arbeitet auf der Intensivstation im Klinikum Delmenhorst.

> Juni 2005: Eine Krankenschwester ertappt den Mann im Klinikum Delmenhorst auf frischer Tat, als er einem Patienten ein Mittel verabreichen will, das dieser gar nicht bekommen soll.

> 2006: Das Landgericht Oldenburg verurteilt Niels H. wegen versuchten Totschlags zu fünf Jahren Haft. Der Bundesgerichtshof kippt das Urteil.

> Juni 2008: Im Revisionsprozess verurteilt das Landgericht Oldenburg den Mann zu siebeneinhalb Jahren Haft wegen Mordversuchs.

> Januar 2014: Die Staatsanwaltschaft erhebt erneut Anklage gegen den Mann, der Prozess beginnt im September.

> November 2014: Eine Sonderkommission der Polizei ermittelt. Sie geht inzwischen mehr als 200 Verdachtsfällen nach.

> Januar 2015: Niels H. gesteht vor Gericht etwa 90 Taten. Bis zu 30 Patienten sollen gestorben sein.

> Februar 2015: Das Landgericht Oldenburg verurteilt Niels H. wegen zweifachen Mordes, zweifachen Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung an Patienten in Delmenhorst zu lebenslanger Haft.

> Juni 2016: Die Ermittler geben bekannt, dass Niels H. für mindestes 33 Todesfälle am Klinikum Delmenhorst verantwortlich ist. Niels H. habe gestanden, auch am Klinikum Oldenburg Patienten getötet zu haben.

> August 2017: Niels H. hat nach neuen Angaben der Ermittler 84 weitere Menschen getötet. Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres will die Staatsanwaltschaft erneut Anklage erheben.

> Oktober 2018: Vor dem Landgericht Oldenburg hat ein 3. Prozess gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels Högel begonnen. Der bereits wegen Mordes an Patienten zu lebenslanger Haft Verurteilte ist wegen 100 weiterer Taten angeklagt - die er am ersten Verhandlungstag auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters mehrheitlich zugab.

> Urteil fällt im Juni 2019 mit Schuldspruch in 85 Fällen (s.o.). Gegen das Urteil laufen Rechtsmittel (ndr.de 11.6.19)

Weitere Ermittlungen

2016: Soko rechnet Pfleger Niels H. mehr als 33 Tötungen zu – „Strukturprobleme im Klinikbereich“

  • weit mehr Menschen getötet als bisher bekannt? Bei 27 von 99 exhumierten ehemaligen Patienten des Klinikums Delmenhorst seien Rückstände eines Herzmedikaments entdeckt worden.
  • Geständnis entgegen früheren Behauptungen, auch an seinem früheren Arbeitsplatz in Oldenburg mehrere Patienten mittels einer Kaliuminjektionen getötet zu haben.
  • Es gäbe möglicherweise Strukturprobleme, so dass die Taten nicht aufgefallen seien
  • Ermittlungen auch wegen des Verdachts des Totschlags durch Unterlassen - gegen andere

Auch dass damit ein ganzer Berufsstand in Verdacht geraten sei.

27 zusätzlichen Tötungshandlungen habe Niels H. inzwischen gestanden, erklärten die Ermittler. Wegen fünf anderer Fälle war er 2015 vom Landgericht Oldenburg zu lebenslanger Haft verurteilt worden. 2008 hatte ihn dasselbe Gericht wegen versuchten Mordes zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Nach Einschätzung der Ermittler: „Die rechtliche Konsequenz wird am Ende dieselbe sein: Lebenslänglich und besondere Schwere der Schuld. Daran wird sich nichts ändern.

Weitere Anklagen

Die Mordserie des früheren Krankenpflegers Niels H. hat inzwischen auch für einige seiner damaligen Kollegen und Vorgesetzten juristische Konsequenzen. Das Oberlandesgericht Oldenburg ließ nun im Zusammenhang mit den Morden am früheren Klinikum Delmenhorst (heißt mittlerweile Josef-Hospital Delmenhorst) eine weitere Anklage gegen eine stellvertretende Stationsleiterin zu, wie Spiegel online am Freitag berichtete. Sie muss sich deshalb neben zwei Ärzten und dem Leiter der Intensivstation vor dem Landgericht Oldenburg verantworten. Ihr wird vorgeworfen, trotz Verdachtsmomenten nicht eingeschritten zu sein. Die Anklage lautet auf Tötung durch Unterlassen.

2018: Vor dem Landgericht Oldenburg hat ein weiterer Prozess gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels Högel begonnen. Der bereits wegen Mordes an Patienten zu lebenslanger Haft Verurteilte ist wegen 100 weiterer Taten angeklagt - die er am ersten Verhandlungstag auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters mehrheitlich zugab. (30.10.2018) Über 120 Angehörige der Opfer sind in dem Verfahren als Nebenkläger zugelassen, die Staatsanwaltschaft benötigt über eine Stunde nur um die Taten aufzuzählen; wegen der außergewöhnlichen Dimension des Falles und Prozesses wird in einem Kongresssaal verhandelt. [4]

Eine Chronik seiner Berufslaufbahn

1976: geboren

1994–1997: Ausbildung zum Krankenpfleger am St. Willehad-Hospital in Wilhelmshaven.

1997–1999: Übernahme als Pfleger auf der gefäßchirurgischen Station am St. Willehad-Hospital.

1999–2002: Wechsel ins Klinikum Oldenburg, zunächst arbeitet Niels H. in der Herzchirurgie, im Dezember 2001 wechselt er innerhalb des Hauses in die Anästhesieabteilung. Niels H. ist auffällig oft bei Reanimationen dabei. Ende 2002 legt ihm das Klinikum eine Kündigung nahe und stellt ihm ein gutes Arbeitszeugnis aus. Todesfälle hat es nach Aussage von Niels H. in Oldenburg keine gegeben.

2003–2005: Wechsel auf die Intensivstation am Klinikum Delmenhorst. Die Todesrate in der Abteilung verdoppelt sich in diesem Zeitraum.

Juni 2005: Der Pfleger wird im auf frischer Tat ertappt.

Film, Dokumentation, 2022

Daten zum Film:

  • Schwarzer Schatten: Der Serienmörder Niels Högel. ( Es ist die größte Mordserie in der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte. Fast fünf Jahre lang tötete der Pfleger Niels Högel in Oldenburg und Delmenhorst Patientinnen und Patienten. Wie konnte es so weit kommen? ) ∙ Dokus im Ersten ∙ Das Erste, ard am 16.05.2022, 45 Min. Regie/Produktion: Steffen Hudemann und Anne Reißner. Recherche Uwe Wichert.


Weblinks



Siehe auch

bei Inh verlinken Delmenhorst_-_Krankenpfleger_wegen_mehrfachen_Mordes_verurteilt 100 Morde durch Krankenpfleger auf Intensivstation de.pflegeabc.wikia.com/wiki/

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