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Diarrhoe ist in der Medizin das Fachwort für den Durchfall, das häufigere Ausscheiden von Stuhlgang, oft in weitgehend verflüssigter Form. Abgrenzen zur Stuhl-Inkontinenz.


Notwendiges Basiswissen: Verdauung, Verdauungstrakt, Anatomie des Dickdarms

Ursachen

Es gibt eine Reihe von möglichen Ursachen.

Zum Beispiel:

  • Erkrankungen des Dünndarms
  • Falsche Ernährung
  • Infektionen
  • Psychische Ursachen
  • Nebenwirkung von Medikamenten
  • OP an den Bauchorganen
  • Störungen im Flüssigkeitshaushalt
  • Störung im Elektrolythaushalt
  • Erkrankung des Pankreas


Infektion

Eine Diarrhoe kann durch bestimmte pathogene Keime (Salmonellen, Campylobacter, Shigellen etc.) oder Viren (Noroviren, früher Norwalk-like-Viren, Grippe- (Gastroenteritis) und Rota-Viren usw.) ausgelöst werden.

Dünndarm

  • Erhöhte Passagegeschwindigkeit aufgrund von Defekten, die im Dünndarm lokalisiert sind, Maldigestion (z.B.durch fehlende Pankreas-Enzyme bei Pankreatitis) bzw. Malabsorption (Dünndarm):
  • Der Stuhl ist breiig, fettglänzend, voluminös

Dickdarm

  • Durch akute oder chronische entzündliche Veränderungen (z.B. Colitis ulcerosa) im Colon ist die Resorptionsleistung niedrig, es entsteht das Gegenteil: das Colon sezerniert Flüssigkeit:
  • Stuhl ist dünnflüssig, wässrig
  • weitere auffällige Veränderungen des Stuhles können sein
    • blutig
    • schleimig
    • eitrig

weitere Ursachen

Behandlung

Grundsätzliches:

Um der Austrocknung[Exsikkose] entgegen zu wirken, sollte reichlich Flüssigkeit, mit Mineralien und Zucker angereichert, getrunken werden. Zucker enthält schnell verfügbare Kalorien und hilft, Flüssigkeit besser zu absorbieren; Mineralien (Kalium, Natrium und andere) ersetzen die durch die Diarrhoe verlorenen Stoffe. Am besten trinkt man eine Boullion oder ein Elektrolytgetränk, das man in der Apotheke bekommen kann.

Eine Diarrhoe ist eine natürliche Reaktion des Körpers, um Giftstoffe auszuscheiden. Es ist deshalb in erster Linie wichtig, diesen Ausscheidungsprozess auch bis zu einem gewissen Grad zuzulassen und nicht sofort die Darmbewegung durch ein chemisches Mittel anzuhalten.

Wichtig: Bei längerem Durchfall unbedingt medizinischen Rat suchen!

"Hausmittel"

Kohletabletten

Aktivkohle kann manche Gifte binden und deaktivieren. Es sind aber einige Gramm Kohle notwendig, um bei einem akuten Durchfall zu helfen. Aktivkohle ist frei erhältlich und praktisch unverderblich.


Elektrolytlösung für den Hausgebrauch

Eine hilfreiche Elektrolytlösung für den Hausgebrauch besteht aus 1 Teelöffel Kochsalz, 8 Teelöffel Zucker/Traubenzucker in 1 Liter sauberes (frisch abgekochtes) Wasser, für den Geschmack wird das Getränk mit etwas Orangensaft abgeschmeckt.


Breinahrung

Zerdrückte Bananen und geriebener Apfel bei Appetit sind einfache, natürliche und leichtverdauliche Nahrungsmittel ohne Fett und deshalb gut geeignet, um die Ernährung zu beginnen. Ebenfalls ist ein Reisschleim sehr gut verdaulich. Hierbei wird Reis mit viel Wasser solange gekocht, bis die Struktur des Reiskorns vollständig aufgelöst ist. Zugabe von etwas Salz und/oder einer einfachen Sojasauce können dem Geschmack etwas nachhelfen. Das Rezept, Haferflocken mit Milch zu kochen und davon über mehrere Tage hinweg zu essen, ist wohl nicht empfehlenswert, da Milch für viele Menschen schwer- oder unverdaulich ist und Fett enthält, und zum anderen die Lagerung "über mehrere Tage hinweg" das Verderben des Breis ermöglicht. Bananenbrei dazu kann helfen den Kaliumspiegel zu stabilisieren.


Cola und Salzstangen

Das alte Rezept Cola mit Salzstangen sollte nicht mehr angewendet werden, weil es bei akutem Durchfall die Beschwerden fast immer verschlimmert. Hier steht wohl eher die Zuführung von Mineralien im Vordergrund als eine tatsächliche Bekämpfung der Beschwerden.


Tee

Bei schwerem Durchfall kann es vorkommen, dass der Körper selbst die Aufnahme von klarem Wasser verweigert. Tee, besonders Kamille, kann da sehr hilfreich sein, den Magen-Darm-Trakt zu beruhigen, um so wieder Flüssigkeit aufzunehmen.

Allopathische Medizin

Der Durchfall wird je nach Schwere und Ursache behandelt, in leichten Fällen kann die Diarrhoe mit dem Wirkstoff Loperamidhydrochlorid gestoppt werden; Kapseln mit dem Hefepilz Saccharomyces boulardii wirken gleichzeitig darmsanierend.

Achtung: In schweren Fällen, die bakteriell verursacht sind, werden nach Konsultation eines Arztes Antibiotika eingesetzt, bei massivem Flüssigkeitsverlust (bei z.B. Cholera) ist zusätzlich Flüssigkeitsersatz durch Infusionstherapie angezeigt.

Diagnostik

  • Stuhl auf pathogene Keime
  • TSH, T3, T4
  • Pankreasfunktion
  • Duodenumbiopsien (Sprue, M. Whipple)
  • Coloskopie -> Entzündung
  • Nahrungsmittelunverträglichkeit testen (z.B. Laktoseintoleranz)
  • Hämoculttest

Pflege

Krankenbeobachtung

Eine wichtige Aufgabe ist die Krankenbeobachtung. Damit sind nicht nur die Mengen der Ausscheidung gemeint sondern es geht um die Gesamtsituation, um rechtzeitig sich anbahnenden Komplikationen zu erkennen. Die akut wichtigste können Fieber und Flüssigkeitsverlustfolgen im ZNS sein.

Eine der wirkungsvollsten Maßnahmen wird häufig vergessen: die Gewichtskontrolle da, wo eine Bilanzierung fast nicht möglich ist.

Ausscheidungsorgane

  • Hilfe beim Ausscheiden und der Hautpflege
  • Einnahme von verordneten Medikamenten (bei Durchfall eine sehr schwierige Aufgabe)

Ernährung und Trinken

Ernährungsempfehlung bei Diarrhöe

Basisdiät-Gastro-enterlogische Basisdiät

Prinzip: -Ernährungspysiologischoptimal zusammen gesetzt -Nährstoffrelation sind genau definiert -frei von Alkohol und viele kleine Mahlzeiten

Ernährungempfehlungen: -Ursachen beseitigen -Nahrungskarenz bei genügend Flüssigkeit und Salz -Schwarztee ca. 5min. ziehen lassen -Aufbaukost im Sinne der Basisdiät

Basisdiät

-es gibt 3 Stufen der Kostaufbauform:

1.Strengste Basisdiät -nur Tee, mild und Mundwarm -10-12 kl. Mahlzeiten (->Tee) -später Traubenzucker und Salze hinzufügen -Schleimsuppe -Zuerst Wasserbasis, dann Halbmilch ,Milch, Brühe, Säfte -abgelagertes Weißbrot mit Butter -leichte Wurstsorten -> fettarme Streichwurst und fettarme Käsesorte -Dauer 1-2 Tage

2.Strenge Basisdiät -5-8 kl. Mahlzeiten -siehe Strengste Basisdiät -breiig -> -Milchbrei -Kartoffelbrei -kleine Nudeln -Gemüse -> -Möhren -Spagel -Spinat -Fleisch -> -gekocht, ganz klein geschnitten, als Rougot, Pute oder Hähnchen -abgelagertes Weißbrot oder Mischbrot mit Butter, Marmelade und fettarme Wurst -stilles Wasser, milde Säfte -Dauer 1-5 Tage

3.Erweiterte Basisdiät -5-6 Mahlzeiten, evtl. Spätstück -als Dauerkost -alle Nahrungsmittel aus der strengen und stregsten Basisdiät sind erlaubt (siehe oben) -leichte Röstprodukte und braten ist erlaubt Weitere Ernährungmöglichkeiten:

Bananendiät -über den Tag verteilt 10 (jede Mahlzeit 2) mit einer Gabel zerdrückte Banane und ein Spritzer Zitronensaft geben -75g Reis, 250ml H2o, Prise Salz,kocken bis der Reis zerfällt

Rohapfeldiät nach Moro und Heisler -200g Äpfel mit Schale , ohne Kerngehäuse reiben und etwas Zitronensaft Dazu geben -5x am Tag + ungesüßter Tee

Möhrendiät -1/2 kg Möhren , gewürfelt in 1 Liter Wasser, 2-3 h kochen und durch ein Haarsieb streichen, Möhrenbrei mit gekochtem Wasser auf 1 Liter auffüllen , 3g Kochsalz zu geben und in kleinen Portionen über den Tag verteilt geben.


Mineralstoffe nicht vergessen! Neben der Flüssigkeit fehlen dem Körper bei Durchfall auch wichtige Mineralstoffe. Es ist daher sinnvoll, pro Liter Wasser oder Tee etwa sieben Tee- löffel Traubenzucker und einen Teelöffel Salz zuzu- setzen, um diesen Mangel auszugleichen.

Siehe auch

  • Bristol stool scale (zur Krankenbeobachtung)


Links im Web

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