PflegeABC Wiki
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Gefährliche Pflege ist die Bezeichnung für die unterste Stufe eines von Fiechtner und Meier 1981 eingeführten Klassifikationsmodells zur Bewertung der Pflegequalität.

Als weitere Stufen sind die sichere Pflege, die angemessene Pflege und die optimale Pflege definiert. Dabei stellt die sichere Pflege den Minimalstandard dar; gefährliche Pflege ist somit Pflege, die dem Minimalstandard nicht genügt.

Gefährliche Pflege zeichnet sich dadurch aus, dass die pflegebedürftige Person Schaden erleidet, etwa in Form eines Dekubitus, dass sie keine oder falsche Maßnahmen oder Hilfsmittel erhält, dass sie empfindet, das Pflegepersonal interessiere sich nicht für sie, dass der Tagesablauf eher an den Bedürfnissen der Institution orientiert ist (krankenhausorientiert) und dass der Informationsfluss unorganisiert und mangelhaft ist.

Gefährliche Pflege ist aber die Pflege bereits dann, wenn die Pflegekraft diese vermeidbaren Schäden durch ihr Verhalten eben nicht mehr ausschließen kann!

Dieses "es ist gerade nochmal gut gegangen" ist keine Entschuldigung in der Pflege an Menschen.

Verhalten von Pflegekräften bei Gefährlicher Pflege

Das Verhalten von Pflegekräften bei Gefährlicher Pflege in der Einrichtung erfordert zuerst eine Information des Arbeitgebers, damit der die evtl. Mängel beseitigen kann. In einem inzwischen rechtskräftigen Urteil des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte von 2011 im Fall der Altenpflegerin Brigitte Heinisch [1] wurde entschieden, dass die von deutschen Gerichten in allen Instanzen akzeptierte fristlose Kündigung der Beschäftigten wegen der Veröffentlichung (Anzeige bei der Staatsanwaltschaft) von Missständen bei ihrem Arbeitgeber gegen die Menschenrechtskonvention verstößt. Das Straßburger Gericht schützt damit die so genannten Whistleblower. Dazu beruft es sich auf die Meinungsfreiheit, deren Grenzen damit nicht überschritten worden sei. Denn "… in einer demokratischen Gesellschaft sei das öffentliche Interesse an Informationen über Mängel in der institutionellen Altenpflege in einem staatlichen Unternehmen so wichtig", dass es gegenüber dem Unternehmensinteresse (an Verschwiegenheit seiner Beschäftigten) mehr Gewicht habe. Die Richter hatten auch die Wirkung der Kündigung für die Öffentlichkeit im Blick, denn eine andere Entscheidung könnte Arbeitnehmer aus Angst vor negativen Konsequenzen davon abhalten, Missstände anzuprangern.

Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EGMR) ist noch nicht rechtskräftig, weil die deutsche Bundesregierung drei Monate Zeit dafür hat, um Einspruch einzulegen und die Verweisung an die Große Kammer des Gerichtshofs zu einer erneuten Behandlung der ganzen Sache zu beantragen.

::Artikel nicht aktualisiert !!! 

Unterscheide "Gefährlichen Pflege" von "Körperverletzung" (StGB)

Das mit der "Gefährlichen Pflege" ist ein Gummiband-ähnlicher Begriff. Er soll darauf hinweisen, dass eine Schädigung der HBW möglich ist und auch durch die dort so arbeitenden Pflegekraft/Pflegekräfte nicht mehr verhindert werden kann. Der Begriff steht absichtlich im Kontrast zu Körperverletzung, wo es bereits eine Schädigung gegeben hat. Gefährliche Pflege ist keine ausreichende Sicherstellung der Pflege durch den Heimbetreiber/Arbeitgeber. Oft dreht es sich dabei gar nicht um ein individuelle Fehlverhalten sondern um einen Organisationsmangel, auf juristisch ein Organisationsverschulden aus dem abgeschlossenen Pflegevertrag.

Entstanden und verbreitet worden ist der Begriff im Zusammenhang mit der oben gezeigten Diskussion um Pflegequalität. Ja Pflegequalität lässt sich beurteilen, wenn sie auch nicht immer exakt gemessen werden kann.

Wenn in 15 Pflegeplanungen auf deiner Station zum Beispiel drin steht, dass die Person tgl. vor- und nachmittags mind. 1 Std. zu mobilisieren ist — und das geschieht wegen Personalmangel nicht. Folge: die alten Leute bleiben im Bett. Dann ist das "Gefährliche Pflege" aber noch keine Körperverletzung. Erst wenn in 14 Tagen zwei Dekubitalulzera vorhanden sind (vom Himmel gefallen?) und 5 Personen eine beginnende Kontraktur haben, dann hast du sieben Körperverletzungen verursacht.

Meist wird das aber konkret niemand nachgewiesen. Weder dir noch deiner WBL/Stationsleitung.

U. a. ……… weil die Qualitätsbeauftragte das für deine Station nicht systematisch dokumentiert. Weil einige Pflegekräfte "irgendwelche" Umlagerungen dokumentieren (um es vorsichtig zu umschreiben). Weil kein Arzt oder Angehöriger die beginnende Kontraktur bemerkt. Weil ein Dekubitus angeblich nicht lebensgefährlich ist. … usw. und so fort.

Siehe auch

Medien, Literatur

So bereits Fiechter / Meier, 1981, zitiert nach dem Pflegelehrbuch Köther/Gnamm „Altenpflege in Ausbildung und Praxis“. Thieme, 1995; Seite 280 ff; (dort stehen Beispiele für verschiedene Bereiche der Pflege. Diese Abstufung der mögl. Pflegequalität ist in der professionellen Pflege bisher nicht bezweifelt worden. )

Brigitte Heinisch, Andreas Schug: "Satt und Sauber? Eine Altenpflegerin kämpft gegen den Pflegenotstand", rororo, Paperback, 220 Seiten, 2008

Anmerkungen, Zitate

  1. Artikel über die Verleihung des Whilstleblower Preis an B. Heinisch aus dem Jahr 2007

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Weblinks

Artikel bei treffpunkt-altenpflege.de (eher allgemein zur Pflegequalität)

Whistleblower] (bei Wikipedia)

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