PflegeABC Wiki
Advertisement

Die Gerontopsychiatrie kann als Teilgebiet

oder der

betrachtet / erklärt werden.


Diagnose und diagnostische Klassifikation

Die unterscheidende Erkennung psychischer Störungen im Alter ist besonders schwierig. Dies hat mehrere Gründe:

  • Die Häufigkeit fließender Übergänge zwischen physiologischen (normalen) Alterungsvorgängen und krankhafter psychischer Störung.
  • Das Zusammenwirken konstitutioneller, endogener und organischer sowie situativer, psychoreaktiver und biografischer Faktoren. Man spricht von der multifaktoriellen Genese psychischer Störungen des höheren Lebensalters.
  • Die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen psychischen und körperlichen Erkrankungen. Aus diesem Grund verliert der traditionelle Krankheitsbegriff jene Bedeutung, die er für die Psychiatrie des Erwachsenenalters bis heute beansprucht. Die für die Behandlung und Einschätzung der Prognose relevante Betrachtungsweise von psychischen Störungen im Alter orientiert sich demgegenüber an gestörten Funktionsbereichen und der Bewertung aller maßgeblich beteiligten organischen, psychischen und sozialen Faktoren. Dieses Vorgehen entspricht der mehrdimensionalen Diagnostik, wie sie von Kretschmer betont wurde.
  • Die Multimorbidität, also das - im Alter besonders auftretende - gleichzeitige Auftreten mehrerer Krankheiten.

Ursachen

Mögliche Mit-Ursachen können sein:

*Soziales (sozioökonomischer Status und soziales Umfeld)

*Personengebundenes (Lebensbiografie, Vorhandensein und Art von zwischenmenschlichen Beziehungen zu anderen, situative Belastungen)

*Körperliche (Gesundheit und Leistungsfähigkeit) Charistika

Sie stehen in enger Beziehung zu einem negativen Selbstbild.

Dabei betrachtet man in diesem Funktionskreis die häufig zu beobachtenden Wechselbeziehungen zur körperlichen Gebrechlichkeit als das erste Bewegende in einer Kausalkette.

Andere Vorstellungen gehen davon aus, dass sich soziale Isolation, Lebenszufriedenheit, psychische Distanz und soziale Bewertung gegenseitig beeinflussen und verstärken können. Darüber hinaus können stereotype Einstellungssysteme, die mit einer individuellen Disposition zusammentreffen, als krankheitsauslösende Faktoren Bedeutung gewinnen und auch den Krankheitsverlauf beeinflussen.

Das Ergebnis ist ein kompliziertes und vielgestaltetes Bild heterogener Entstehungsbedingungen. Deshalb spricht man von einer individualisierenden Diagnostik. An dieser Stelle von schematischen Diagnosen und einer strengen nososlogischen Vorgehensweise sollte die Beschreibung von unterschiedlichen Zustandsbildern, Krisentypen und Leitsymptomen treten.

Aus ihnen ergeben sich dann für die Praxis wechselnde therapeutische und rehabilitative Konsequenzen. Es geht um die schwierige, im Einzelfall zu entscheidende Aufgabe, möglichst alle relevanten pathogenen Faktoren zu gewichten und daraus alle erforderlichen therapeutischen Strategien abzuleiten.

Diese historisch auf Kretschmer zurückgehende Erkenntnis hat sich in der systematisierten Vorgehensweise des Assessments in allen Bereichen der Altersmedizin weitgehend durchgesetzt und hat die interdisziplinäre Arbeitsweise (therapeutisches Team) zur Voraussetzung.

Häufige Krankheiten, Störungen der Gesundheit, Symptome, Verhaltensauffälligkeiten

Beachte: Alterssyndrome (die 5 / 6 großen I‘s)


Schwierige Verhaltensweisen

  • Angst
  • aggressives Verhalten (Fremd- und Autoaggressivität)
  • verbal aggressives Verhalten (Schimpfen, Fluchen, Bedrohen)
  • lautes Verhalten (Schreien, lautes Weinen)
  • Weglauftendenz im aktiven Sinne (Suche nach Ausgang oder Fluchtmöglichkeit, ohne eine klare Denkstruktur, als Demenz-Symptom; z. B. Versuch, bei Türöffnung ohne reales Ziel zu entweichen)
  • ausgeprägte motorische Unruhe ("Wandern"; Herumschieben und -stoßen von Gegenständen wie Stühlen und Tischen; Ausräumen von eigenen/fremden Schränken und Schubladen)
  • Verstopfen von Abläufen; Zerreißen von Servietten, Inkontinenzeinlagen, Zeitungen, etc.
  • enthemmtes Verhalten (sexuelle Enthemmung; bulimisches Verhalten, u.U. mit Entwenden von Essen von Drittpersonen oder MitpatientInnen oder Einnahme von nicht Essbaren (Pica-Syndrom)
  • Explosivreaktionen bis zur Gewalttätigkeit, Verrichten der Notdurft in der Öffentlichkeit, Störung der Einhaltung der "Sozialdistanz" und anderer sozialer Konventionen etc.

Aufmerksamkeit bei

Gerade wegen der Ko- und Polymorbidität sollte man beim Vorkommen von Verhaltensweisen wie Agitiertheit, Unruhe, Erregung, Aggression u.ä. auch an folgende Ursachen denken:

  • Schmerzen
  • Atembeschwerden
  • Exsikkose
  • Harnwegsinfekte
  • Harnverhaltung
  • Koprostase
  • Medikamentenüberdosierung und
  • Paranoia oder Angst
  • ………

Psychische Störungen

Psychische Störungen können vorübergehend oder dauerhaft vorliegen. Sie treten natürlich nicht erst im höheren Alter sondern in jeder Lebensphase auf. Wenn die Lebensführung durch sie eingeschränkt wird, sollte ein Facharzt befragt werden, ob eine Therapie oder Verhaltenstherapie sie heilen kann bzw. den Umgang mit ihr erleichtern.

Schutz der pflegenden Angehörigen vor einer Selbst-Überforderung (geht nicht selten über die Leistungskräfte hinaus - damit verliert die erste Patientin evtl. ihre Hauptbeziehungsperson / Hauptpflegekraft.

Advertisement