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Aktionslogo: saubere Haende

Der Fachausdruck in der Pflege: Hygienische Händedesinfektion — Achtung bitte nicht verwechseln mit dem Händewaschen im Alltag.



Gründe für die Händedesinfektion

(Indikation)

Die seit 2008 durchgeführte nationale Kampagne AKTION Saubere Hände nennt fünf Gründe:
  1. vor Patientenkontakt, insbesondere vor Kontakt mit Patienten, die im besonderen Maße vor Infektionen geschützt werden müssen (z. B. Leukämiepatienten, polytraumatisierte Patienten, Bestrahlungs- oder Intensivpatienten und sonstige schwer erkrankte Patienten) 
  2. vor einer aseptischen Tätigkeit (z. B. der Verbandwechsel, Kontakt mit Eintrittsstellen von Kathetern oder Drainagen, invasive Eingriffe wie das Legen eines Venenkatheters, Blasenkatheters, Durchführung einer Angiographie, Bronchoskopie, Endoskopie des Magen-Darmtraktes, Lumbalpunktion)
    Achtung: Die Desinfektion wird auch dann ausgeführt, wenn für die Maßnahme (sterile oder unsterile) Einweg-Handschuhe getragen werden. 
  3. nach Kontakt mit potenziell infektiösem Material (Blut, Sekreten oder Exkrementen, von (auch anderen) Patienten kontaminierten Flächen oder Gegenständen wie dem Beatmungszubehör, Stechbecken, Arbeitsflächen) und nach dem Ablegen von Einmal-Handschuhen, da diese keinen hundertprozentigen Schutz bieten vor Mikroläsionen bieten können. 
  4. nach Patientenkontakt, da von jedem potenziell Infektionen ausgehen können 
  5. nach jeglichem ungeschützten Kontakt mit der unmittelbaren Patientenumgebung.


Weitere Details

Die hygienische Händedesinfektion ist die wichtigste Maßnahme zur Verhütung von Krankenhausinfektionen. Sie dient sowohl dem Schutz des Patienten als auch dem eigenen Schutz. Deshalb muß die Reihenfolge auch wirklich beachtet werden. Sie wurde von Ignaz Semmelweiß 1818-1845 eingeführt. Damals mittels Chlorkalk.



Indikation

  1. vor und nach jedem Verbandwechsel
  2. vor und nach Kontakt mit Eintrittsstellen von Kathetern, Drainagen u.ä.
  3. nach Kontakt mit Blut, Sekreten oder Exkreten
  4. vor invasiven Eingriffen (z. B. Legen eines Venenkatheters, Blasenkatheters, Durchführung einer Angiographie, Bronchoskopie, Endoskopie des Magen-Darmtraktes, Lumbalpunktion)
    Diese Forderung gilt auch dann, wenn bei den Eingriffen (sterile oder unsterile) Einweg-Handschuhe getragen werden müssen!
  5. vor Kontakt mit Patienten, die im besonderen Maße vor Infektionen geschützt werden müssen (z. B. Leukämiepatienten, polytraumatisierte Patienten, Bestrahlungs- oder Intensivpatienten und sonstige schwer erkrankte Patienten)
  6. nach Kontakt mit Patienten, von denen Infektionen ausgehen können
  7. nach Kontakt mit kontaminierten Flächen oder Gegenständen (z. B. Beatmungszubehör, Steckbecken, Arbeitsflächen)
  8. nach dem Ablegen von Einmal-Handschuhen, da diese keinen 100%igen Schutz bieten (Mikroläsionen)

Vorgehen

Alkoholische Händedesinfektion (ca. 3 ml = 2 - 3 Hübe aus Wandspendern) in die trockene Hohlhand geben, auf beide Hände einschließlich Fingerzwischenräume, Fingerkuppen, Daumen und Handgelenke verteilen, mindestens 30 s Einwirkzeit einhalten.

  1. Desinfektionsmittel auf die Handfläche geben und verreiben
  2. Handfläche auf Handrücken im Wechsel für beide Hände
  3. Handfläche auf Handfläche mit verschränkten, gespreizten Fingern
  4. Außenseite der Finger auf gegenüberliegende Handfläche mit verschränkten Fingern
  5. kreisendes Reiben der Daumen in der geschlossenen Handfläche für beide Hände
  6. kreisendes Reiben hin und her mit geschlossenen Fingerkuppen in der Hohlhand für beide Hände.

Merke auch

  1. Desinfektionsmittel nicht auf nasse Hände geben!
  2. eine sichtbare Verschmutzung der Hände ist zunächst durch ein in Händedesinfektionsmittel getränktes Einmaltuch oder Kompresse oder eine Handwaschung zu entfernen (Wasser nicht zu warm, Seifenreste komplett abspülen, Haut sorgfältig trocknen)
  3. die Mindesteinwirkzeit von 30 Sekunden reicht für die Inaktivierung einiger Erreger (z. B. unbehüllte Viren) nicht aus.
  4. Bei Kontamination mit Hepatitis B-Viren sind Händedesinfektionsmittel einzusetzen, deren Wirksamkeit gegen Hepatitis B-Viren durch entsprechende Gutachten belegt ist. Da in diesen Fällen die Einwirkzeit und Art der Anwendung von den hier gegebenen Empfehlungen abweichen kann, müssen unbedingt die Anwendungshinweise der Desinfektionsmittelhersteller berücksichtigt werden!
  5. Schmuck- und Eheringe, Nagellack, lange sowie künstliche Fingernägel beeinträchtigen die Wirkung der Händedesinfektion und sind nach TRBA 250 (siehe unten) und RKI-Richtlinie verboten.
  6. Armbanduhren und Armreife behindern die hygienische Händedesinfektion, da die Handgelenke in die Desinfektionsmassnahme einzubeziehen sind. Sie können bei der Pflege und Behandlung von Patienten zu Verletzungen führen; in Arbeitsbereichen mit erhöhter Infektionsgefährdung dürfen gemäß BGR 250 an Händen und Unterarmen keine Schmuckstücke, Uhren und Eheringe getragen werden!

Notwendig begleitende Maßnahmen

Erforderliche begleitende Maßnahmen zur Infektionsprophylaxe sind Distanzierung (Non-touch-Technik), Hautschutz und Hautpflege, Gewährleistung der Compliance, Vermeidung von Fehlern im Umgang mit den Desinfektionsmittelspendern, Berücksichtigung der rechtlichen Gesichtspunkte.

Niknam zitiert sechs goldene Regeln zur Verbesserung der Compliance: 1: Die Produkt-Akzeptanz des Händedesinfektionsmittels (Hautverträglichkeit, etc.); 2: Bessere Verfügbarkeit von Händedesinfektionsmitteln "am Ort des Geschehens"; 3: Promotion der Händehygiene; 4: Umstrukturierung des Budgets (z. B. die Kombination des Händehygiene-Budgets mit einem fiktiven "Etat" für nosokomiale Infektionen); 5: Vorbildfunktion erfahrener Ärzte; 6: Ausgewogene Personal-Patienten-Relation (Personalschlüssel).

Berufsgenossenschaft

Den Beschäftigten in Arbeitsbereichen, in denen Tätigkeiten . . . ausgeführt werden, sind leicht erreichbare Händewaschplätze mit fließendem warmen und kalten Wasser, Direktspender mit hautschonenden Waschmitteln, Händedesinfektionsmitteln und geeignete Hautpflegemittel sowie Handtücher zum einmaligen Gebrauch zur Verfügung zu stellen.

Berufsgenossenschaftliche Regel Nr. 250 ([1]) Ziffer 4.1.1.1

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Der Hände-Waschplatz

Wie sollte ein Waschplatz ausgestattet sein?

Laut der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) soll ein Handwaschplatz kaltes und warmes Wasser vorhalten. Zudem sollte das Waschbecken „tief ausgeformt“ sein und auf einen Überlauf verzichten. Benachbarte Arbeitsflächen sind mittels Spritzschutz abzuschirmen, um Kontaminationen vorzubeugen. Empfohlen sind zudem wandmontierte Spender für die Entnahme der Flüssigseife, des Händedesinfektionsmittels sowie der Einmalhandtücher. Wichtig ist, so die KRINKO weiter, dass der Wasserstrahl nicht direkt auf den Abfluss gerichtet ist, um so die Entstehung von erregerhaltigen Aerosolen zu minimieren (vgl. Bundesgesundheitsblatt 9/16, S. 1198).

Welche Flüssigseife sollte verwendet werden?

Der Verbund für angewandte Hygiene (VAH) gibt eine Liste geprüfter Produkte für das Waschen und Desinfizieren der Hände heraus. Für den Gesundheitsbereich wird die Verwendung solcher Produkte dann empfohlen, wenn mit Lebensmitteln umgegangen wird. Der Zugang zur Liste ist nicht barrierefrei, allgemeine Informationen gibt es auf der Website. Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) verweist in ihrer Ausführung auf die Verwendung einer Flüssigseife, die aus einem Spender zu entnehmen ist. Das Produkt sollte eine gute Hautverträglichkeit aufweisen. Weitere Kriterien werden nicht benannt (vgl. Bundesgesundheitsblatt 09/16 S. 1199).

Zudem sollte die Entnahmevorrichtung desinfizierend gereinigt werden und ein „Wiederbefüllen“ des Spenderreservoirs nur nach einer solchen Reinigung erfolgen. Der Grund: Es konnten Kontaminationen mit verschiedenen Krankheitserregern festgestellt werden.

Siehe auch

Literatur

  • Bernig Th: Vergleich der Hautverträglichkeit von sechs ausgewählten alkoholischen Händedesinfektionsmitteln im klinischen Doppelblindversuch anhand der subjektiven Akzeptanz und der Bestimmung objektiver Hautparameter. Diss Med Fak Univ Greifswald 1997.
  • Europaen Standard EN 1499: Chemische Desinfektionsmittel und Antiseptika, Desinfizierenden Händewaschung, Prüfverfahren und Anforderungen (Phase 2/Stufe 2) 1998.
  • Hygiene&Medizin 28.Jg. 2003, Heft 4; 129-133 (zur AWMF-Leitlinie Nr. 029/027, siehe www)
  • Hygiene in Klinik und Praxis, 3. Auflage, mhp-Verlag, Wiesbaden 2004, S. 182ff
  • Klaus Koch: Kinderstube statt Logik. Hygiene-Verhalten der Ärzte untersucht. SZ, Dienstag, 3. April 2001, Deutschland Seite V2/15
  • Loczenski, Barbara: Selbstbewusst macht Lernen Lust. Ein preisgekröntes Unterrichtskonzept zur hygienischen Händesdesinfektion. In: doppelpunkt Hygiene, Oktober 2002, S. 10-11 (heilberufe-archiv/heilberufe00_themen.html hier online) oder via bibb.de/redaktion/altenpflege_saarland/literatur/hygiene_02.htm
  • Sabine Niknam: Für mehr Compliance bei der Händehygiene. In: Die Schwester/Der Pfleger 44: 11/2005 S. 844-848
  • Pittet D, Dharan S, Touveneau S, Sauvan V, Perenger T: Bakterielle Kontamination der Hände des Pflegepersonals. HygMed 2000; 25: 69-74.
  • Rotter ML, Kramer A.: Hygienische Händeantiseptik. In: Kramer A u. a. (Hrsg.). Klinische Antiseptik. Springer, Berlin. 1993: 67-82.
  • Unfallverhütungsvorschriften - UVV • BGVorschriften Gesundheitsdienst hier:§ 6: Händedesinfektion. z. B. via www.pr-o.info

Weblinks

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