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Kontrakturenprophylaxe

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Kontrakturenprophylaxe  -  Vorbeugungsmaßnahmen gegen  Bewegungseinschränkungen / Gelenkversteifung




Kontrakturen sind manchmal ein wenig verstandenes Problem in der Pflege (privat oder in der berufl. Pflege).

Ein Mensch bewegt sicht nicht oder wenig …
… und irgendwann kann er sich nicht mehr bewegen, weil einzelne Gelenke sich gar nicht mehr bewegen lassen.
Was ist dort passiert?




Eine Kontraktur ist eine bleibende Bewegungseinschränkung von Gelenken bis hin zur Versteifung, die durch tage- oder wochenlangen Bewegungsmangel verursacht wird.


Das Versteifen der Gelenke wird verursacht durch die dauerhafte Verkürzung von Sehnen, Muskeln und Bändern.

Durch operativ bedingte Bewegungseinschränkung zum Beispiel bei einer Operation am Arm kann durch konsequentes Training unter Schmerzen die Beweglichkeit des Gelenks wiederhergestellt werden.

Bei einer Kontraktur wird vom Betroffenen eine schmerzfreie Zwangshaltung eingenommen,wobei die beteiligte Muskulatur bzw. [[Sehne[[n und Gelenke unter Schmerzen gering gestreckt werden können.


Kontrakturen reduzieren die Lebensqualität, weil sie die Abhängigkeit von anderen herbeiführen und ziehen im Extremfall eine dauernde Pflegebedürftigkeit nach sich.

Gefährdete Patientengruppen

Ursachen können Immobilität (Bettlägerigkeit), Inaktivität (z.B durch Gips), Erkrankungen des Nervensystems (Lähmung), Schonhaltung (bei chronischen Erkrankungen), Pflege- und Behandlungsfehler sein.


Kontrakturen bei Immobilität und Bettlägerigkeit werden dadurch verursacht, dass die Muskeln und Sehnen sich verkürzen, da die Dehnungsbewegungen bei normaler Mobilität fehlen.


Kontrakturen bei einer Erkrankung des Nervensystems können entstehen bei: • Spastischen Lähmungen • Gehirn- oder Rückenmarkerkrankungen • Zerebralen Durchblutungsstörungen • Multipler Sklerose


Kontrakturen bei einer Schonhaltung entstehen dadurch, dass Betroffene mit chronischen Schmerzen sich eine Haltung aneignen, bei der sie keine Schmerzen empfinden.


Kontrakturen bei großflächigen Narben entstehen durch schwere Verbrennungen oder Verätzungen in Gelenknähe. Bei unzureichender Narbenverheilung kann es zu Schrumpfungsprozessen und Bewegungseinschränkungen kommen.


Kontrakturen bei Pflege- und Behandlungsfehlern werden verursacht durch unzureichende Mobilisation, falsche Lagerung oder unprofessionell durchgeführte passive Bewegungsübungen bei Lähmung oder Immobilität.

Einteilung nach Art des geschädigten Gewebes

  • Haut: dermatogene Kontraktur
  • Sehnen & Muskeln: tendomyogene Kontraktur
  • Gelenke: arthrogene Kontraktur
  • Nerven: neurogene Kontraktur
  • Schmerzbedingt: Schonhaltungbedingte Kontraktur
  • Durchblutung: ischämische Kontraktur (z.B. Volkmann-Kontraktur)

Woran erkennt man Kontrakturen?

  • Bewegungseinschränkung
  • erkennbarer Widerstand bei Bewegungen
  • Schmerz bei Bewegung
  • pathologische Haltung des betroffenen Gelenks
  • Bewegungsvermeidungen → verringertes Bewegungsmuster
  • komplette Versteifung einzelner Gelenke (z.B. Spitzfuß)

Grundprinzipien der Vorbeugung von Kontrakturen sind

  • Funktion der Gelenke soll erhalten werden
  • Gelenke sollen in anatomisch richtiger Stellung erhalten werden
  • Schmerzen lindern
  • Verhinderung eines längeren Aufenthaltes im Krankenhaus als für die ursprüngliche Erkrankung vorgesehen war
  • dadurch Kosten verringern

Prophylaktische Maßnahmen sind

- möglichst Bewegung. Entweder aktiv, auch durch gezielte Anleitung oder ersatzweise passive Durchbewegung.

Nur sekundär durch nach Plan abwechselnde Lagerungen:

Lagerungsarten

Beachte: jede Art der Lagerung führt langfristig zu einer Kontraktur! Wirksam zur Vorbeugung ist der Lagewechsel und Bewegung.

Ziel: akzeptable Position, die leicht eigene Bewegungen zuläßt.

  • Oberarm: In 30° Abduktion
  • Unterarm: Winkel ca. 100°, leicht erhöht
  • Hand: leicht einwärts gebeugt, Finger leicht gebeugt, Daumen in Opposition zum Zeigefinger
  • Hüftgelenk oder/und Kniegelenk möglichst gestreckt
  • Füße: Widerstand durch weiche Fußstütze, Druck durch Bettdecke verhindern (Spitzfußgefahr)


Achtung: eine Lagerung ist für sich keine prophylaktische Maßnahme und sollte nur bei Verordnung des Arztes, zur Ruhigstellung, verwendet werden. Sonst ist die Häufigkeit der Umlagerung ein Merkmal zur Pflegequalität.


Aus fachlicher Sicht ist es nicht ganz vertretbar, weil man darauf achten muss, dass es z.B eine Operation etc. nicht zulässt.

Wichtig: Die Ruhigstellung der Gelenke wird in funktioneller Mittelstellung, einer Entspannungshaltung, angestrebt. Beide Muskeln sind wenig gespannt (die Antagonisten; z. B. am Kniegelenk leicht angewinkelt und nicht ganz durchgestreckt)

Lagerungshilfsmittel Sachgemäße Lagerung in physiologischer Mittelstellung (wenn keine spezielle Lagerung verordnet ist) mit Hilfe von:

  • Kissen
  • Komfortlagerungssystem
  • Rollen
  • Keilen
  • Schienen
  • Fußstütze
  • Reifenbahre gegen das Gewicht der Decke

Diese Lagerungshilfsmittel sollen jedoch, um Druckstellen zu vermeiden, sachgemäß angewandt werden. Daher gilt:

  • regelmäßige Umlagerung der Extremitäten in einem individuell ermitteltem Lagerungsabstand (Expertenstandard Dekubitus) - nach engem Zeitplan.

Mobilisation

Die wichtigste Prophylaxe ist die Mobilisation und Bewegung überhaupt (s. u.).

  • frühzeitige postoperative Mobilisation
  • Krankengymnastik (Bewegungsübungen) durch Krankengymnasten und alle Pflegekräfte. Diese kann unterschieden werden in:
    • Passiv (Pflegeperson bewegt den Patienten)
    • Assistiv (Pflegeperson assistiert dem Patienten)
    • Aktiv (Patient arbeitet selbständig)
    • Resistiv (Patient muss einen Widerstand überwinden = Gegendruck)
  • weitere Physiotherapie: Massagen zur Durchblutungsförderung und zur Lösung von Muskelverspannungen

Die gefährdete Person ist, wenn möglich, über die Art und Gründe der Bewegungsübungen zu informieren.

Das Pflegepersonal muss Ängste abbauen und eventuell auftretende Komplikationen rechtzeitig erkennen und verhindern. Darüberhinaus sollte der Patient zur aktiven Mitarbeit ermuntert werden.


Schmerzen können in Absprache mit dem behandelnden Arzt durch Schmerzmittel, lokale Wärme oder Kälte verringert werden. Die Schmerz-Linderung ist besonders wichtig zur Erhaltung der Motivation und Mitarbeit des Patienten

Bewegung

Unterscheidung von aktiver (selbst ausgeführter), passiver Bewegung (durch Dritte), assistiv (mit Unterstützung) und resistiv (gegen Widerstand)


Eine Meinung dazu: Bewegungsübungen gehören nicht unmittelbar in den Aufgabenbereich der Krankenpflege, sondern in den Bereich der Physiotherapie. In Abstimmung mit der Physiotherapie können einfache Bewegungsübungen mit Hilfe des Pflegepersonals durchgeführt werden.


Andere Meinung dazu: Bewegungsübungen gehören selbstverständlich in den Aufgabenbereich der Pflege, da es sich um ein Selbstpflegedefizit im Bereich der ATL handelt.

Zu diskutieren und zu erforschen sind jedenfalls die wirksamen Formen (Frequenz, Intensität.

Relativ häufig finden ineffektive Übungsmaßnahmen statt. 5 mal ein Körperteil täglich 2 x kurz angehoben und abgelegt, so wird eine Kontraktur nicht verhindert.

z. B. Lösung: Die Regel sollte sein: mind. 4 x tgl. an jedem betroffenen Gelenk 10 komplette Bewegungsabläufe.

Siehe auch unter

Kontraindikationen

evtl., je nach Belastbarkeit des Kreislaufs:

  • Starke, plötzlich auftretende Fehlstellungen
  • Schmerzen
  • Fieber
  • Emesis
  • Diarrhoe
  • erst seit kurzem "Geschwollene Gelenke" (als Anzeichen einer Herzinsuffizienz)
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