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Die Leichenschau (2. Schritt) und die Sektion, Obduktion (3. Schritt) dienen der Sicherung der Todesfeststellung (dem 1. Schritt). Sie ist Aufgabe einer Ärztin. Daneben haben sie Aufgaben in der ärztlichen oder pflegerischen Ausbildung und als Instrument der Qualitätssicherung in der Medizin.

In der Gerichtsmedizin kann sie helfen, die Todesursache (-en) festzustellen.


Bereits im Altertum (z. B. in Ägypten und Griechenland) wurden nachweislich Obduktionen durchgeführt, die der ärztlichen Bildung bzw. dem Wissen über die Biologie des Menschen dienten. Am Ende des 18. Jahrhunderts wurden erste Fachvertreter, die eigens für die Sektionen verantwortlich waren, bestellt. Der erste sogennannte "w:Prosektor" (lat. prosecare = vorschneiden) begann 1796 am Wiener Allgemeinen Krankenhaus seine Arbeit. Der erste Lehrstuhl für Pathologie wurde 1819 in Straßburg eingerichtet (w:Jean-Frédéric Lobstein 1777-1835). Als Prüfungsfach der Medizin wurde Pathologie im Jahre 1844 in Wien eingeführt.

Todesbescheinigung

Die Todesbescheinigung, oft nicht ganz richtig Totenschein genannt, wird von dem Arzt ausgefüllt, der den Tod feststellt und damit bestätigt und die Leichenschau durchgeführt hat. Sie dient als Grundlage für die Registrierung des Todesfalls und muss dem Standesamt der Gemeinde vorgelegt werden. Dieses leitet Teile der Todesbescheinigung an das Gesundheitsamt für Statistik-Zwecke weiter.

Details dazu

Die Todesbescheinigung dokumentiert die Leichenschau. Die Leichenschau dient der Feststellung des Todes, der Todesart und der Todesursache. Diese Angaben muss auch – neben persönlichen Daten - die Todesbescheinigung enthalten. Die Ausstellung der Todesbescheinigung ist keine bloße Formalität. Für die Feststellung des Todes besteht eine besondere Sorgfaltspflicht. Mit der Ausstellung der Todesbescheinigung werden die Weichen gestellt, ob die Leiche zur Bestattung freigegeben wird, oder ob weitere Ermittlungen im Hinblick auf einen nicht natürlichen Tod erforderlich sind. Zugleich hängt von der sorgfältigen Leichenschau die Qualität der Todesursachenstatistik ab.


Der Formularsatz für die Todesbescheinigung umfasst einen nicht-vertraulichen Teil (Blatt 1 und 2) und einen vertraulichen Teil 1 und 2 (jeweils Blatt 1-5).

Der Arzt der Leichenschau füllt die Todesbescheinigung aus, trennt Blatt 2 des nicht-vertraulichen Teils (lila) ab und legt die Durchschläge des vertraulichen Teils in die dafür vorgesehenen Umschläge ein.

Blatt 1 des nicht-vertraulichen Teils (grau) wird zusammen mit dem braunen Umschlag mit Blatt 1-3 des vertraulichen Teils dem zuständigen Standesamt vorgelegt. In der Regel übernehmen dies die Angehörigen, beauftragte Bestatter oder die Einrichtung des Versterbens. Nach der Beurkundung des Sterbefalls leitet das Standesamt dem Gesundheitsamt des Sterbeorts die Unterlagen weiter, das die Durchschläge verwahrt bzw. an die zuständigen Stellen übermittelt.

Blatt 2 des nicht-vertraulichen Teils verbleibt als Transportbegleitdokument beim Verstorbenen, wird dem Standesamt spätestens vor der Bestattung oder Einäscherung zum Vermerk der Beurkundung vorgelegt und letztlich in den Unterlagen des Friedhofsträgers aufbewahrt.


Blatt 4 des vertraulichen Teils ist für den Fall einer Obduktion vorgesehen und wird mit dem unausgefüllten Obduktionsschein (siehe unten) in den dafür vorgesehenen Umschlag eingelegt. Der Umschlag wird verschlossen und verbleibt ebenfalls beim Verstorbenen.

Blatt 5 des vertraulichen Teils ist für die persönlichen Unterlagen des Arztes bestimmt.

Bestehen Anhaltspunkte für einen nicht natürlichen Tod, ist die Todesart ungeklärt oder wird die Leiche eines Unbekannten aufgefunden, ist die gesamte Todesbescheinigung mit dem nicht vertraulichen Teil der Polizei zu übergeben. Der nicht vertrauliche Teil der Todesbescheinigung darf den Bestattungspflichtigen erst ausgehändigt werden, wenn die Staatsanwaltschaft die Bestattung schriftlich genehmigt hat

Vorläufige Todesbescheinigung

Wird zur Leichenschau ein Arzt geholt, der für die Behandlung von Notfällen eingeteilt ist (Notarzt, Notfallarzt), so kann sich dieser auf die Ausstellung einer vorläufigen Todesbescheinigung beschränken. In dieser werden lediglich der Tod, der Todeszeitpunkt, der Zustand der Leiche und die äußeren Umstände festgestellt.

Voraussetzung ist allerdings, dass der Notarzt die verstorbene Person nicht vorher behandelt hat und dass sichergestellt ist, dass ein anderer Arzt die noch fehlenden Feststellungen treffen kann und wird.

So eine vorläufige Todesbescheinigung ist nicht an das Standesamt weiterzugeben.

Unterscheidung Leichenschau - Leichenöffnung

Umgangssprachlich wird meist nicht unterschieden zwischen Leichenschau (Todesfeststellung) und der ärztlichen Leichenöffnung (Sektion). Dies kann an der Gleichzeitigkeit der Durchführung in vielen Ländern und in manchen Kliniken liegen.

Jede Leiche ist zur Feststellung des Todes, des Todeszeitpunktes, der Todesart und der Todesursache von einer Ärztin/Arzt zu untersuchen (sogenannte Leichenschau im engeren juristischen Sinn)[1]. Jeder, der mit dem Verstorbenen in häuslicher Gemeinschaft gelebt hat, oder in dessen Wohnung, Unternehmen oder Einrichtung sich der Sterbefall ereignet hat, bzw. jeder, der eine Leiche auffindet, hat unverzüglich eine Leichenschau zu veranlassen.

Bescheinigt der Arzt keine natürliche Todesursache, sondern z. B. eine unklare oder unnatürliche Ursache, entscheidet die Staatsanwaltschaft über das weitere Vorgehen; die Leiche kann beschlagnahmt und eine Obduktion/Leichenöffnung angeordnet werden.

Vorgehen bei der Obduktion

Der Äußeren Besichtigung und Beschreibung folgt die innere Leichenbeschau mit Öffnung der Schädelhöhle, Brusthöhle und Bauchhöhle. Die freigelegten Organe werden untersucht (evtl. auch Gewebsproben). Zum Schluss werden die Organe dem Toten wieder beigegeben, die Hautschnitte vernäht und der Leichnam gewaschen. Im Protokoll werden Befunde festgehalten.

Diagnostik

Gewebsbefunde werden oft intraoperativ vom Pathologen analysiert und dienen der Diagnosenstelltung.

als Instrument der Qualitätssicherung

Die Leichenschau ist ein wichtiges Instrument der Qualitätssicherung in der Medizin. Um den medizinischen Standard zu halten und zu verbessern, weil mit der nachträglich kontrollierenden Diagnostik des Pathologen die vorhergehende Therapie evaluiert wird. Die Ärzte erhalten Informationen zur Optimierung des Behandlunspfads bei einer bestimmten Symtomatik (auch EBM).

Totenschein, andere Formulare

Der Totenschein, auch Leichenschauschein, ist die daraus folgende (öffentliche) Urkunde, in der nach der gründlichen Untersuchung des unbekleideten Körpers der Tod eines Menschen mit Personalien und Zeit und Ort des Todes bescheinigt, wenn möglich eine Todesursache und die Todesart vermerkt wird. Bei Totgeburten ist ab einem Geburtsgewicht von 500 g ein Totenschein auszustellen. Der Aufbau des Formulars und die Art der darin zu vermerkenden Angaben ist in den einzelnen Bundesländern nur wenig verschieden. Die Totenscheine werden in den Gesundheitsämtern gesammelt und statistisch anonym ausgewertet.

Obduktionsschein. Der obduzierende Arzt erhält mit dem Verstorbenen den verschlossenen Umschlag mit Blatt 4 des vertraulichen Teils der Todesbescheinigung (siehe oben) und dem nicht ausgefüllten Obduktionsschein. Der Obduzent vermerkt auf dem Obduktionsschein die durch die Obduktion festgestellte Todesursache und andere wesentliche Krankheiten. Der obduzierende Arzt leitet den Obduktionsschein unverzüglich dem Gesundheitsamt zu.

Leichenpass. Ein Leichenpass wird benötigt, wenn eine Leiche in ein anderes Land oder durch ein Land hindurch überführt/transportiert werden soll, das einen solchen verlangt.

Siehe auch

  • bei einer virtuellen Autopsie werden mit bildgebenden Verfahren das Äussere und das Innere eines Toten, auch die Körperhöhlen und Gefäße, abgebildet und untersucht.
  • Autopsie-Roboter (Oberflächen-Scans, CT´s vom Körperinneren, Gewebsentnahmen. Magnetresonanztomografie ist geplant, 2009)

Weblinks


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Wikipediaartikel:
„Obduktion“
  1. siehe etwa § 4 Brandenburgisches Bestattungsgesetz
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