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Eine nosokomiale Infektion (von altgriechisch nósos ‚Krankheit‘ sowie komein ‚pflegen‘) ist eine Infektion mit eventuellen lokalen oder systemischen Infektionsanzeichen (Symptomen) als Reaktion auf das Vorhandensein von Mikroorganismen oder ihrer Toxine, die im zeitlichen Zusammenhang mit einer stationären oder einer ambulanten medizinischen Maßnahme steht, soweit die Infektion nicht bereits vor der Maßnahme stattgefunden hat (Krankenhausinfektion ). Infektionen, die während des Krankenhausaufenthaltes erworben sind, aber erst nach Entlassung evident werden, gelten ebenfalls als nosokomial. Eine reine Anwesenheit von Erregern auf der Haut, Schleimhaut, in offenen Wunden, in Exkreten oder Sekreten ohne klinische Symptome (Kolonisation) ist keine Infektion.

Ursachen

Patientenkfaktoren: hohes Alter, die Schwere der Grundkrankheit, Einschränkung durch Immunabwehr, Mangelernährung und Verlust der normalen Schutzmechanismen der Haut
Umweltfaktoren: Luft, Wasser und Oberflächen in der Umgebung der Patienten (z.B. Verschleppung von Keimen durch Klimaanlagen)
Mikrobiologische Faktoren: Virulenz der Mikroorganismen, Resistenzen die durch ungezielten Antibiose-Einsatz hevorgerufen worden.
Behandlungsfaktoren: Einsatz invasive Maßnahmen bei Therapie und Diagnostik

  • Vernachlässigung hygienischer Vorschriften
  • unqualifiziertes Personal

Anzahl

In Deutschland erkranken jährlich ca. 400.000 bis 600.000 Patientinnen und Patienten an Krankenhausinfektionen und schätzungsweise zwischen 7.500 bis 15.000 sterben daran[1].

  • Harnweginf. (ca. 40%) - meist mit der Anwendung von Harnwegskathetern assoziiert. Das Risiko steigt mit Länge der Anwendung
  • Wundinf. (15-25%) - Risiko hängt von der Länge einer OP und der der Schwere der Grunderkrankung ab.
  • Atemwege (ca. 15%) - zumeist Pneumonie. Trägt erheblich zur Verlängerung der Verweildauer bei und erhöht stark die Sterblichkeitsrate
  • Haut und Schleimhäute (ca. 10%)
  • Sepsis (ca. 5%) - die seltenste der nosokomialen Infektionen, hat in der Regel erhebliche Konsequenzen. Hohes Risiko bei zentralen Gefäßkathetern

Erreger

  • Harnwegsinfektionen: Escherichia Coli, Proteus, Klebsiellen, Pseudomonas aeruginosa
  • Wundinfektionen: Staphylokokken, Escherichia Coli, Proteus, Pseudomonas aeruginosa
  • Atemwege: Staphylokokken, Pseudomonas aeruginosa, Escherichia Coli, Klebsiellen
  • Haut und Schleimhäute: Staphylokokken, Streptokokken, Pilze
  • Sepsis: Staphylokokken, Pseudomonas aeruginosa, Escherichia Coli

Weitere sind:

Zunehmende Bedeutung der Infektionen mit Methicillin-resistenten Staphylococcus Aureus MRSA

Übertragungswege

Exogene Übertragung: Die Mikroorganismen stammen von außerhalb

  1. direkter Kontakt mit der Infektquelle (Patient, Personal, Besucher)
  2. direkte Übertragung durch eine Kontaminationsquelle (med. Geräte, Spritze)
  3. indirekte Übertragung über eine Kontaminationsquelle

Endogene Übertragung: Die Mikroorganismen stammen aus dem Körper des Patienten, gelangen aber an Orte, an denen sie physiologisch nicht vorgesehen sind. (z.B. E.coli aus dem Darm verursacht Harnwegsinfekt)

Infektionsdispositionen alter Menschen (Altenheim):

Disposition: Folge:
eingeschr. Mobilität minderbelüftung der Atemwege, Druckulcera
herabgesetzte Atemfunktionen Atemwegsinfektionen
Bewusstseinsstörungen Aspirationsgefahr
dünnere Haut, Wunden Hautinfektion (Wundinfektion)
geringer Säuregehalt der Magensäure Infektion des Verdauungstraktes
Restharnbildung (Prostata) chron. Harnwegsinfektionen
häufige Antibiotikagaben Kolonisation resistenter Erreger
Multimorbidität, Tumorleiden herabgesetzes Immunsystem (zB durch Chemotherapie)

Prophylaxen

  1. Jeden Patienten bei Aufnahme präventiv auf MRSA untersuchen
  2. Kontrolle, Registrierung jedes Infektes
  3. wirksame Desinfektion / Sterilisation, insbesondere Händedesinfektion
  4. gezielte und konsequente Anwendung von Antibioktika und Chemotherapeutika
  5. organisatorische Maßnahmen bei Therapie und Pflege, z.B. Isolation, Schutzkleidung
  • Surveillance

Folgen

Die Folgen von nosokomialen Infektionen sind weitreichend. Der Aufenthalt der Patienten wird massiv verlängert, oder der Patient muss kurz nach dem Austritt bereits wieder ins Spital. In der Schweiz entstehen durch nosokomiale Infektionen Kosten in Höhe von ca. 27 Millionen Franken pro Jahr (entspricht ca. 18 Mio. Euro).

Empfehlungen des Robert Koch-Instituts zur Prävention nosokomialer Infektionen

Beim Robert Koch-Institut wird in der zweiten Jahreshälfte 2011 nach § 23 Infektionsschutzgesetz eine Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention eingerichtet. Die Kommission erstellt Empfehlungen zur Prävention nosokomialer Infektionen sowie zu betrieblich-organisatorischen und baulich-funktionellen Maßnahmen der Hygiene in Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen. Die Empfehlungen fassen den Stand der medizinischen Wissenschaft zusammen.

Film

  • Meike Hemschemeier: Killerbrut - Die verschwiegene Katastrophe – Über mangelnde Hygiene in Krankenhäusern. Dokumentation D, 45 Minuten. (U. A. mit Klaus-Dieter Zastrow, Roeder Chefarzt und Alexander Friedrich, Hygieniker und Mikrobiologe an den Unikliniken Münster. Im Film wird u. a. genannt, dass es auf den Totenscheinen der Opfer diese Ursache nicht gibt, weil es für deren Meldung keine gesetzliche Grundlage gibt.)

Fachgesellschaften

Weblinks


Einzelnachweise

  1. Bundestags-Drucksache 17/5178, Seite 12
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