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https://it.wikipedia.org/wiki/Ex_ospedale_psichiatrico_di_Volterra Die Psychiatrische Anstalt Volterra in der Toskana war ein Klinikkomplex, in dem bis zu 6000 Menschen gleichzeitig untergebracht waren. Ca. 200 Patienten mussten sich jeweils 20 Waschbecken in 2 Bädern teilen.

Wer nach Volterra geht, kommt nie wieder

Das war mehr als ein Spruch, denn etwa 10% der Insassen von Volterra starben an den Folgen der Elektroschocktherapie, 40% aufgrund der hygienischen Zustände und 50% starben irgendwann einfach aus Kummer.

1978 erliess der italienische Staat das „Legge centottanta“, ein Gesetz zur Schliessung der schlimmsten psychiatrischen Anstalten. Jahrelang hatten der Psychiater Franco Basaglia (1924 — 1980) und viele seiner KollegInnen für ein solches Gesetz und gegen die unerträglichen Missstände in den nach Art von Hochsicherheitstrakten geführten “geschlossenen Anstalten“ oder psychiatrischen Krankenhäuser gekämpft.

Volterra ist eine der ältesten Städte der Toscana. Sie liegt eine Stunde von Florenz und ebensoweit von Pisa entfernt. Sie liegt auf einem Bergrücken inmitten der sanften Hügel über dem Tal der Cecina. Im Ort selbst kann man auf eine Straße zu einem der bewaldeten Hügel abzweigen, die an einem schlossähnlichen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert endet.

Diese Anstalt war in Italien kein Einzelfall. Viele Psychiatrien in Italien waren in einem desolaten Zustand. Erst mit den Reformen von Basaglia und seinen Kollegen, dem Gesetz von 1978, wurden viele Psychiatrien geschlossen. Damals wurden 70.000 geisteskranke Menschen in ganz Italien in die Freiheit „entlassen“. Aus Anstalten, die eher einem Gefängnis glichen


Auch das Ospedale Psichiatrico di Volterra ist im Laufe der Zeit zu einem Ort des Schreckens geworden. Es ist eine psychiatrische Klinik, die als Reformmodell Ende des 19. Jahrhunderts gestartet wurde und dann aufgrund schlechter Bedingungen für Ärzte und Pfleger zu einem fürchterlichen Ort für die PatientInnen geworden ist.


An diesem real existierenden Ort spielt das Computerspiel "The Town of Light". In der Rezension des Spiegels heißt es:

Es ist schwer zu ertragen, im Spiel zu erfahren, wie Renée misshandelt wird, wie sie gequält und sexuell bedrängt wird, wenn man gleichzeitig weiß, dass diese Handlung des Spiels auf einer wahren Geschichte basiert. Das Spiel ist keine grausame Fiktion. Es ist die Vergangenheit, die grausam ist. Und gleichzeitig ahnt man, dass diese Vergangenheit an vielen Orten im Heute noch Gegenwart ist.

ak.

die Geschichte des Oreste Fernando Nannetti

Der Weg auf das Gelände ist von Hecken umwuchert und führt in einen nach drei Seiten geschlossenen, von Gras bewachsenen Innenhof. Die Stille der mitten im Wald gelegenen Anlage verbreitet eine eigentümliche Atmosphäre. Auf die wenigen Besucher wartet eine Entdeckung: Die Sockelzonen des Gebäudes sind rundum mit seltsamen Ornamenten überzogen.Tritt man näher heran und schreitet den etwa 180 Meter langen Fries ab, erkennt man in den Putz geritzt Tausende von Zeichen: Buchstaben, bisweilen ganze Wörter, Jahreszahlen, geometrische und religiöse Symbole, schliesslich Zeichnungen, die Personen darstellen, aber auch Fluggeräte und Raumfahrzeuge. Der Autor dieses eigenartigen Werks signierte seine Arbeiten mit dem Kürzel N.O.F.4 und bezeichnete sich als „colonnello astrale (Sternenoberst) und als „ingegnere astronautico minerario“ (Weltraumbergbauingenieur).

Die Schriften, Zeichen und Bilder ritzte er mit Gürtelschnallen, mit Besteck, Münzen und anderen spitzen Gegenständen in die Wände. Sein bürgerlicher Name war Oreste Fernando Nannetti.

Oreste hatte vierzehn lange Jahre hinter den Mauern und im geschlossenen Hof der Anstalt von Volterra verbracht. Der Fries, den er in dieser Zeit schuf, berichtet nicht unmittelbar von dem, was ihm dort widerfuhr. Seine Zeichen, Wörter, Sätze und Bilder setzen sich stattdessen zu einer „storia universale“ zusammen, zu einer Jahrhunderte überspannenden und sich zugleich in einzelnen Personen verdichtenden Weltgeschichte, in der es um die Eroberung imaginärer Staaten geht, um elektromagnetische Wellen und Strahlungen, um hypertechnologische Waffen, Flug- und Raumfahrzeuge, um mysteriöse alchemistische Verbindungen und die magischen Kräfte einzelner Metalle.

Oreste Fernando Nannetti wurde am 31. Dezember 1927 in Rom geboren. Der Vater verlässt die junge Mutter schon bald nach der Geburt des Sohnes. Dieser besucht eine private Volksschule und wird mit sieben Jahren in einer Fürsorge-, drei Jahre später erstmals in einer psychiatrischen Anstalt untergebracht. An einer entzündlichen Wirbelsäulenerkrankung leidend, verbringt er zwei Jahre im Ospedale Carlo Forlanini in Rom. 1948 klagt man ihn wegen Beamtenbeleidigung an und beschuldigt ihn der Erregung öffentlichen Ärgernisses. Aufgrund eines psychiatrischen Gutachtens wird er am 25. September 1948 „wegen völliger Unzurechnungsfähigkeit“ freigesprochen. Das Gericht ordnet an, ihn für mindestens zwei Jahre in eine geschlossene Anstalt einzuweisen.

1958 wird Nannetti in die geschlossene Abteilung der Volterraner Anstalt gebracht. Zehn Jahre später, am 21. März 1968, kommt er in die offene Abteilung der Klinik und darf nun Tagesausflüge in die nähere Umgebung unternehmen. 1973 wechselt er in das ebenfalls in Volterra gelegene und als fortschrittlich geltende Bianchi - Institut. In seiner Krankenakte ist zu lesen: „Der Patient hat von seinem ersten Tag in Freiheit berichtet, nach vierzehn Jahren. Es ist traurig. Wir ziehen es vor, nicht niederzuschreiben, was ein Geisteskranker nach so langem Aufenthalt in einer geschlossenen Anstalt zu sagen hat, in denen er niemals von Freunden oder Verwandten besucht wurde.“

Deutlich sind die Spuren in der Anlage noch immer erkennbar. Offensichtlich wurden vor kurzer Zeit ernsthafte Versuche unternommen, die restlichen unverbröckelten Teile des verbliebenen Werks Nannettis vor weiterem Zerfall zu schützen indem eine Zeile Vordächer über dem Mauerwerk errichtet wurde.

Sein halbes Leben verbrachte der in Rom geborene Fernando Oreste Nannetti in psychiatrischen Anstalten. Den ersten Aufenthalt erlebte er im Alter von zehn Jahren in einer Einrichtung für Minderjährige. Mit 29 Jahren wurde er aufgrund von Halluzina­tionen und Verfolgungswahn als schizophren diagnostiziert und für zwei Jahre im Ospedale psichiatrico Santa Maria della Pietà in Rom interniert und 1958 dann nach Volterra verlegt, wo er gleichsam die Sprache verlor: Hatte er in Rom noch eifrig kommuniziert, verstummte er im Ospedale psichiatrico Ferri di Volterra und drückte sich fortan – in den Jahren 1959–1961 und 1968–1973 – fast ausschliesslich in den Zeichen aus, die er in die Wände des Innenhofs kratzte. Es sind Notate zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Wahn und Wissenschaft – entstanden unter dem Einfluss elektromagnetischer Wellen. Nannetti fühlte und vermittelte telepathische Botschaften, die er zu empfangen meinte: «das Glas die Bleche die Metalle das Holz die Knochen des Menschen das Tier und das Auge und der Geist kontrollieren sich • durch den reflexiven Strahl • magnetisch katotisch • es sind • lebende Materien prägen ein • die Bilder • und • brechen • sich [...] bei einer Temperatur • und • verwandeln sich und • stirb • selbst • zwei • Mal ich bin Materialist und • Spiritualist • ich liebe • mein • materielles Wesen • als solches • denn • ich bin • gross • und • freunddlich • in • meinem • Geist • Seele kontrolliert durch Telequant • und draussen • Telestation • in • direkter • telepathischer • Verbindung • die Jahre • 1955 • 1956 • 1957 • 1958 • 1959 Glas Portifera Schi Schuh Schnalle».

Epos in Geheimschrift

Seit Nannettis Verlegung 1973 ins Istituto Bianchi in Volterra und ein paar Jahre später in eine weitere Anstalt der Stadt, in der er 1994 starb, setzte die Verwitterung dem steinernen Buch zu. So manchen Fotografen schlug die steinzeitlich anmutende Kunst in ihren Bann – auch Pier Nello Manoni. Er schuf 1979 – vor der Schliessung der Psychiatrie und bevor sich die Erosion des heute fast vollständig verschwundenen Originalwerkes zu bemächtigen begann – beeindruckende, ja beklemmende Aufnahmen. Sie waren diesen Sommer in der Collection de l'Art Brut in Lausanne zu sehen und werden nun im Art / Brut Center im österreichischen Gugging präsentiert. Die reichhaltige fotografische Dokumentation findet sich auch in dem sorgfältig gestalteten und mit kenntnisreichen Texten ausgestatteten Katalog zur Ausstellung. Das monumentale Versepos ist «verblichen», als wäre es nicht nur so kryptisch geschrieben, dass es wie in Geheimschrift verfasst erscheint, sondern auch mit Geheimtinte aufgesetzt. Dass es wenigstens in abgelichteter Form noch greifbar ist, gewissermassen als Astralleib, ist eine würdige Hommage des «colonello astrale», wie sich Fernando ­Oreste Nannetti bezeichnete.

Ausstellung und Katalog  Die Ausstellung des steinernen Buches von Fernando Oreste Nannetti, die ihre Premiere diesen Herbst unter dem Titel «colonel astral» in der Collection de l'Art Brut in Lausanne hatte, ist nun unter dem Titel «nannetti.! sternenoffizier» bis am 4. März 2012 im Art / Brut Center Gugging im österreichischen Klosterneuburg zu sehen. Öffnungszeiten: Di–So, 10–17 Uhr. Informationen: http://www.gugging.org/ Der Katalog «Nannetti» mit Beiträgen von Antonio Tabucchi, Pier Nello Manoni und Lucienne Peiry enthält ein Transkript von Nannettis Texten und eine DVD des Films «I graffiti della mente» sowie zahlreiche Farb- und Schwarz-Weiss-Abbildungen. Die Texte sind französisch, italienisch und englisch, die Publikation kostet Fr. 69.–

Geschichte

vgl. Sta Maria della Pieta, Roma

Ebenso deutlich ist die drückende Atmosphäre im Innern der Gebäude spürbar. Da und dort sind noch immer stumme Zeugen des ehemailgen Klinikbetriebes zu sehen. Die Gebäude sind nach dieser langen Zeit in erbärmlichem Zustand, an vielen Orten ist das Dach eingestürzt und nur hartgesottene Besucher wagen sich in die oberen Etagen...

Medien

www

http://www.fotofactum.ch/fotofactum.ch/orte/Seiten/Ospedale_Psichiatrico_di_Volterra.html

1978 er

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