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Jährlich sterben mehr als 120.000 Raucher, Ex-Raucher und Passivraucher (m/f) in Deutschland an den Folgen des Tabakkonsums. Das sind 30 mal mehr Tote durch Tabak als durch Straßenverkehrsunfälle.

Ihre Rauchgewohnheiten tötet die Bundesbürger mit geringer Bildung und wenig Einkommen häufiger als besser Gebildete und Wohlhabende.


Laut einer neuen repräsentativen Studie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf rauchen 42 Prozent aller über 14-Jährigen von den Deutschen, die keinen Schulabschluss haben. Von BürgerInnen mit Abitur greifen hingegen nur 20 Prozent zu Zigarette, Zigarre oder Pfeife. Übrigens, die Frauen holen gegenüber früher auf. Die Folge ist laut den Forschern ein dramatisches soziales Gefälle bei Erkrankungen und damit bei der geringeren Lebenserwartung.

Rauchen tötet - vor allem einen Teil unserer Gesellschaft

"Der Tabakkonsum ist soziökonomisch sehr ungleich verteilt: Je niedriger Schulabschluss und Einkommen sind, desto höher der Raucheranteil", sagte der Leiter der Studie, der Düsseldorfer Suchtforscher Daniel Kotz, im Gespräch mit dem SPIEGEL. Menschen mit niedrigem sozioökonomischen Status hätten im Schnitt eine fünf bis zehn Jahre niedrigere Lebenserwartung - und 10 bis 20 weniger krankheitsfreie Jahre vor sich als Angehörige höherer sozioökonomischer Schichten.

Während der Raucheranteil bei Deutschen mit hohem und mittlerem Sozialstatus seit einem halben Jahrhundert sinkt, hat sich die Quote unter Bürgern mit niedrigem Sozialstatus kaum verändert. 

Mit erschreckenden Resultaten

"Etwa ein Viertel bis die Hälfte dieser Gesundheitsunterschiede in der Bevölkerung sind praktisch nur auf das Tabakrauchen zurückzuführen". Na ja, es kommen bei der gleichen Bevölkerungsgrupp noch Alkohol und andere riskante Gewohnheiten dazu. Aber Veränderung lohnt sich. Nach zehn Jahren wird die Entwöhnung mit den gleichen guten Werten belohnt wie bei den Nicht-RaucherInnen (wenn es bis dahin nicht bereits eine Tumorbildung gab.)

Es ist eine Beschreibung nicht eine nachträgliche Bestrafung.

Diese Zahlen dürfen nicht einfach mit Ursache oder Auswirkung von Bildungsmangel oder relativer Armut verwechselt werden. Deutschland ist jetzt der einzige EU-Staat, in dem die Nikotinkonzerne ihre tödlichen Produkte auf Plakaten bewerben dürfen, die Millionen Kinder oder Jugendliche täglich zu Gesicht bekommen.

Der Kauder-Effekt: Unionsfraktionschef Volker Kauder verhinderte und verhindert das Werbeverbot immer wieder mit seinem massivem persönlichen Einsatz. Das Rauchen tötet die Bundesbürger nicht unterschiedlich. Nein. Bruder Hein klopft ganz gerecht an die Wohnungstüren. Aber wer akzeptiert Rauchen eher als andere? Und welche Politiker befördern das noch? Auch regional gibt es Unterschiede. In den neuen Bundesländern qualmt fast ein Drittel der Erwachsenen. Während etwa von den Menschen in Hessen mit mindestens 4000 Euro monatlichem Nettohaushaltseinkommen nur 16 Prozent rauchen, sind von den Brandenburgern mit weniger als 2000 Euro Einkommen mehr als die Hälfte nikotinabhängig.

"Gerade in Ostdeutschland fehlt vielen Bürgern das Bewusstsein, wie schädlich Rauchen ist", sagt Stephan Feller, Tumorforscher an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. In Sachsen-Anhalt etwa greift jede sechste schwangere Frau zur Zigarette.

"Jahr für Jahr werden so Hunderte Kinder geschädigt", sagt Fellner. "Aber die Landespolitiker haben wenig Interesse, die Menschen ernsthaft aufzuklären." Ihnen seien die Arbeitsplätze in örtlichen Tabakfabriken offenbar wichtiger. Sachsen-Anhalt hat Suchtprävention noch nicht einmal im Landesschulgesetz verankert, obwohl der Landesschülerrat, der Landeselternrat und Mediziner den Landtag seit Langem darum bitten.

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Mehr im Internet

  • Zigaretten: US-Behörde will Nikotingehalt von Tabak drastisch senken (20.03.2018)

http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/usa-arznei-behoerde-fda-will-nikotingehalt-von-zigaretten-drastisch-senken-a-1198523.html

  • Studie des Robert Koch-Instituts: So gesund sind Kinder in Deutschland (15.03.2018)

http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/kindergesundheit-in-deutschland-so-oft-rauchen-schwangere-a-1198229.html

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: So viel Schaden richtet eine Zigarette pro Tag an (25.01.2018)

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/so-viel-schaden-richtet-eine-zigarette-pro-tag-an-a-1189559.html

  • Schutz von Kindern: Raucher wollen Rauchverbot im Auto (30.06.2017)

http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/rauchverbot-im-auto-schutz-von-minderjaehrigen-passivrauchern-a-1155045.html

  • Streit um Tabakwerbeverbot: Schöner qualmen auf deutschen Litfaßsäulen (07.03.2017)

http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/zigarettenlobby-volker-kauder-blockiert-gesetz-gegen-tabakwerbung-a-1137549.html

  • Längeres Leben: Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören (22.04.2015)

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/rauchen-aufhoeren-im-alter-es-ist-nie-zu-spaet-a-1030020.html

  • Deutsches Ärzteblatt: Nutzung von Tabak und E-Zigaretten sowie Methoden zur Tabakentwöhnung in Deutschland

https://www.aerzteblatt.de/archiv/197190/Nutzung-von-Tabak-und-E-Zigaretten-sowie-Methoden-zur-Tabakentwoehnung-in-Deutschland Dabei hatte sich die Bundesrepublik schon vor 14 Jahren gegenüber der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verpflichtet, spätestens 2010 ein umfassendes Verbot aller Formen von Zigarettenwerbung zu erlassen.

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