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Die geschlossenen venerologischen Stationen in der ehemaligen DDR sollten der Vorbeugung / gegen die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten dienen.

Bis zur Wende 1989/90 wurden in den so genannten geschlossenen venerologischen Stationen Tausende Mädchen und Frauen wegen angeblicher Geschlechtskrankheiten eingesperrt. In allen Bezirken und in nahezu allen größeren Städten gab es die Abteilungen: in Halle, Leipzig, Erfurt, Gera, Dresden, Rostock, Schwerin, Frankfurt an der Oder und Berlin.

Nur jede dritte eingewiesene Frau war wirklich krank. Das schrieben behandelnde Ärzte schon in den Siebzigerjahren in einer Fachpublikation. In den sogenannten Tripperburgen in der DDR sollten Geschlechtskrankheiten behandelt werden. Angeblich. Doch was junge Frauen dort erlebten, hatte mit Therapie wenig - mit Disziplinierung um so mehr zu tun.

Die Historikerin Steffi Brüning forscht seit Jahren zu den geschlossenen Krankenanstalten in der DDR. Für sie steht fest, dass die Behandlung von Gonorrhoe (Tripper) oder Syphilis in den Anstalten zweitrangig war. „Frauen, die irgendwie abgewichen sind von der sozialistischen Norm, sollten hier wieder auf den richtigen Weg gebracht werden.“ Brüning konnte mehr als 100 Patientenakten der geschlossenen Venerologischen Station in Leipzig sichten. Das Ergebnis: „Die meisten Frauen waren völlig gesund.“ Ihre Familien erfuhren meist erst viel später, wo sie festgehalten wurden.

Männer wurden nicht in die geschlossene Venerologische Station eingewiesen.

Geschichte

Dass streng gegen Geschlechtskrankheiten vorgegangen wurde, war in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg nichts Ungewöhnliches. Die Angst vor Gonorrhö und Syphilis, die unbehandelt zu Lähmungen führen kann, saß tief. Die Besatzungsmächte ergriffen daher überall in Deutschland Maßnahmen, um die Ansteckungen einzudämmen. In der Sowjetischen Zone - der späteren DDR - wurden zwischen 1945 und 1947 die rechtlichen Grundlagen für die Zwangsbehandlung von Geschlechtskranken in geschlossenen Stationen geschaffen.


– Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/25789564 ©2017http://www.berliner-zeitung.de/25789564 ©2017

– Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/25789564 ©2017

  • eingesperrt-in-ddr-kliniken
  • Maria Timtschenko: Zur Strafe in die "Tripperburg". Tausende Frauen wurden in der DDR in venerologische Stationen zwangseingewiesen, um sie zu disziplinieren. Nun sprechen die ersten Opfer. Entschädigt wurde bisher niemand. Die Zeit vom 28. Juni 2017, publ. auch bei uni-ulm
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